Portal für Politikwissenschaft

Die Informationspolitik des Ministeriums für Staatssicherheit

Peter Höpfner

Die Informationspolitik des Ministeriums für Staatssicherheit. Die DDR-Wirtschaft in den Wochenberichten der Zentralen Auswertungs- und Informationsgruppe (ZAIG)

Marburg: Tectum Verlag 2012; XIII, 314 S.; hardc., 34,90 €; ISBN 978-3-8288-2991-6
Diss. Kiel; Begutachtung: G. Endruweit, J. Wolf. – Laut sozialistischer Ideologie ist die Ökonomie die soziale Grundlage und bestimmt den Entwicklungsstand sowie die konkrete Ausgestaltung der Gesellschaft. Aufgrund dieser Annahme müsse es, so die Überlegung des Autors, für die sozialistische DDR „lebenswichtig“ (3) gewesen sein, genaue Kenntnis über die wirtschaftlichen Vorgänge zu haben. Das MfS habe deshalb über die ökonomische Entwicklung Bericht erstattet. Vor diesem Hintergrund möchte der Autor klären, „wie dieses für Außenstehende schwer vorstellbare System funktionierte, d. h. welche Informationen oder Ergebnisse es lieferte und welche Bedeutung insbesondere die Erstattung von Wochenberichten durch die Zentrale Auswertungs- und Informationsgruppe [ZAIG] im Ministerium für Staatssicherheit an den Minister für Staatssicherheit und über diesen an die Partei- und Staatsführung hatte“ (4). Den Untersuchungszeitraum beschränkt Höpfner auf die letzte Dekade der DDR. Ohne sein Vorgehen konkret darzulegen, stellt er zunächst die für seine Frage besonders relevante (Teil-)Struktur innerhalb des MfS vor, um sodann aufgrund der bisher noch unzureichenden Forschung zum kommunikativen Zusammenspiel von MfS, Politbüro und Regierung und auf Basis des von ihm gesichteten Aktenmaterials (die Wochenberichte der ZAIG 1979-1989) Hypothesen zu erstellen, die in weiteren Arbeiten empirisch geprüft werden müssten. In der qualitativ-empirisch ausgerichteten und von der Kommunikationstheorie inspirierten Arbeit unterteilt der Autor seine 50 gefundenen Hypothesen in insgesamt 14 über Sender und Empfänger wie MfS und Parteispitze sowie 36, die er durch das Studium der Wirtschaftsberichte aufstellen konnte und sich direkt auf sie beziehen. In einem zweiten Schritt ordnet der Autor die Hypothesen in sender- und empfängerorientiert und kann außerdem insgesamt drei Hypothesen zum Gesamtcharakter der Wochenübersichten gewinnen. Laut ihnen widmeten sich die Berichte mehr der Beschreibung einzelner Ereignisse als der Darstellung der Gesamtentwicklung. Außerdem habe der Schwerpunkt der Berichte mehr auf der inneren Sicherheit als auf der Lösung von Wirtschaftsproblemen gelegen.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Peter Höpfner: Die Informationspolitik des Ministeriums für Staatssicherheit. Marburg: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35590-die-informationspolitik-des-ministeriums-fuer-staatssicherheit_42947, veröffentlicht am 24.01.2013. Buch-Nr.: 42947 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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