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Gerechter Friede

Konrad Raiser / Ulrich Schmitthenner (Hrsg.)

Gerechter Friede. Ein ökumenischer Aufruf zum Gerechten Frieden. Begleitdokument des Ökumenischen Rates der Kirchen

Berlin: Lit 2012 (Ökumenische Studien 39); III, 251 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-643-11559-1
Ziel des Aufrufes zum gerechten Frieden ist es, einen Paradigmenwechsel im Denken der Kirche einzuleiten. Statt Frieden nur als Abwesenheit vom Krieg zu verstehen, soll der Weg „zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ (1) beschritten werden. Das Dokument stellt das Ergebnis eines mehrjährigen und mehrstufigen Beratungsprozesses dar, der als noch nicht beendet verstanden wird. Der Aufruf soll erst nach weiteren Diskussionen 2013 auf der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Busa, Korea, verabschiedet werden. Als Definition des gerechten Friedens wird vorgeschlagen, ihn „als einen kollektiven und dynamischen, doch zugleich fest verankerten Prozess zu verstehen, der darauf ausgerichtet ist, dass Menschen frei von Angst und Not leben können, dass sie Feindschaft, Diskriminierung und Unterdrückung überwinden und die Voraussetzungen schaffen können für gerechte Beziehungen, die den Erfahrungen der am stärksten Gefährdeten Vorrang einräumen und die Integrität der Schöpfung achten“ (8 f.). Um dieses Ziel zu verwirklichen, wird jegliche Form von Gewalt zunächst abgelehnt, aber Waffengewalt dann doch als „letzter Ausweg und kleineres Übel“ (11) für legitim erachtet. Für dieses moralische Dilemma bemühen die Autoren zudem das Konzept des gerechten Krieges, das zuvor noch als obsolet bezeichnet wurde. Darüber hinaus verweisen sie auf die Bedeutung eines Aufbaus von Kulturen des Friedens und einer Friedenserziehung – verstanden als „spirituelle Charakterbildung“ (13). Das Dokument endet mit der Benennung von zentralen globalen Herausforderungen und den Hauptleitlinien, wie diesen begegnet werden könne, und der Frage nach der Rolle, die Kirche und Christinnen und Christen dabei spielen sollten. Die den gerechten Frieden umfassenden Bereiche, die hierbei angesprochen werden, sind der Frieden in der Gemeinschaft, der Frieden mit der Erde und der Frieden in der Wirtschaft. In einem ebenfalls abgedruckten Begleitdokument des Ökumenischen Rates der Kirchen wird der Aufruf detailliert erklärt. Zudem sind als Anhang zentrale Dokumente beigefügt, auf die sich der Aufruf bezieht und in deren Tradition er steht. Die Adressaten des Aufrufes mögen zwar vornehmlich Gläubige des christlichen Glaubens sein, was durch die vielen Bezüge zu Bibelstellen deutlich wird. Aber auch als „religiös unmusikalischer“ Mensch kann man hier sicherlich Anregungen finden, wie ein inhaltlich gefülltes Verständnis von Frieden aussehen kann – auch wenn der Aufruf es versäumt, Demokratie als Bestandteil eines gerechten Friedens zu erwähnen.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.1 | 5.44 | 2.23 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Konrad Raiser / Ulrich Schmitthenner (Hrsg.): Gerechter Friede. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35367-gerechter-friede_42613, veröffentlicht am 13.09.2012. Buch-Nr.: 42613 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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