Portal für Politikwissenschaft

Irrweg Grundeinkommen

Heiner Flassbeck / Friederike Spiecker / Volker Meinhardt / Dieter Vesper

Irrweg Grundeinkommen. Die große Umverteilung von unten nach oben muss beendet werden

Frankfurt a. M.: Westend Verlag 2012; 224 S.; 16,99 €; ISBN 978-3-86489-006-2
Wer eine Aufschlüsselung des bedingungslosen Grundeinkommens erwartet, wird von der Lektüre womöglich teilweise enttäuscht sein. Die Autoren betten die Analyse dreier entsprechender Modelle vielmehr in eine umfassendere kritische Betrachtung der Lohnverteilung in Deutschland ein. Dass dabei (volks‑)wirtschaftliche Aspekte den Schwerpunkt bilden, legt schon der DIW‑Hintergrund der vier Autoren nahe. Zunächst werden verschiedene Grundeinkommensmodelle vorgestellt und einer kritischen Würdigung unterzogen. Kernpunkt der Argumentation ist der interne Konstruktionsfehler, der letztlich sämtliche Ideen bedingungsloser Geldleistungen ad absurdum führt. Indem man allen ausreichende Leistungen gewährt, wähnt man sich zwar losgelöst von verteilungspolitischen Fragen. Die Autoren arbeiten aber heraus, dass dies ein Irrglaube ist. Jede Wirtschaft muss notwendigerweise Arbeit und deren Früchte verteilen und das Einkommen motiviert aktuell zur Verrichtung auch unangenehmer Aufgaben. Bedingungslos gewährtes Geld würde beim rational handelnden Akteur jedoch zu Fehlanreizen führen. Sozial wünschenswerter und ökonomisch sinnvoller wäre hingegen die Sicherstellung ausreichend hoher Löhne. Hier setzt der zweite Teil der Ausführungen an: das Eintreten für höhere Löhne als zentrales Element der Umverteilung. Mithilfe volkswirtschaftlicher Statistiken wird auch empirisch untermauert, dass volkswirtschaftliches Wachstum mit Produktivitätsentwicklung und Lohnsteigerungen einhergeht. Insbesondere niedrige Einkommensschichten haben eine höhere Konsumquote und senden so – aber immer nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten – Wachstumsimpulse aus. Zur Argumentation zählt auch das Eintreten gegen liberale Arbeitsmarktthesen, wonach Arbeitslosigkeit zuvörderst ein Problem zu hoher Löhne ist. Mitunter bedarf es vielmehr der aktiven Einmischung durch die Politik, um die Marktwirtschaft mit dem Ziel des sozialen Friedens zu versöhnen. Sich aus Verteilungskonflikten durch das Abspeisen der Bürger mit einem Grundeinkommen herausstehlen zu wollen, weist nach Ansicht der Autoren demgegenüber in die falsche Richtung.
Daniel Gerstenhauer (DG)
M. A., Sozialwissenschaftler, Doktorand, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.342 | 2.331 | 2.3 Empfohlene Zitierweise: Daniel Gerstenhauer, Rezension zu: Heiner Flassbeck / Friederike Spiecker / Volker Meinhardt / Dieter Vesper: Irrweg Grundeinkommen. Frankfurt a. M.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35153-irrweg-grundeinkommen_42324, veröffentlicht am 11.04.2013. Buch-Nr.: 42324 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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