Portal für Politikwissenschaft

Hīkoi. Der lange Marsch der Māori

Aroha Harris

Hīkoi. Der lange Marsch der Māori. Aus dem neuseeländischen Englisch von Anke Mai und Ekpenyong Ani

Berlin: Orlanda Verlag 2012; 178 S.; pb., 22,50 €; ISBN 978-3-936937-91-6
Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts hinein lebte Neuseelands indigene Bevölkerung, die Māori, ohne jegliche Souveränitätsverletzung oder Infragestellung ihrer Rechte und Lebensweisen durch Außenstehende. Mit der ab 1840 massiv einsetzenden Besiedlung des Landes durch die Briten änderten sich die Lebensumstände, die Māori wurden vielfach von ihrem Land vertrieben. Dadurch verloren sie auch einen Großteil ihrer politischen Macht und ihrer Souveränität. Auch in der jüngsten Geschichte sind die Rechte der indigenen Bevölkerung immer wieder durch die neuseeländische Regierung beschnitten worden, weswegen sich eine stammesübergreifende Protestbewegung gebildet hat. Aroha Harris zeichnet diese moderne Protestbewegung nach, die sie als „quirlige und jugendliche Rebellin [begreift], die gegen die vergleichsweise konservativen Positionen der Führung der staatlich geförderten Organisationen – insbesondere der Māori Women’s Welfare League und des New Zealand Māori Council – aufbegehrte“ (22). Die mit zahlreichen Fotos illustrierten Ausführungen der Autorin veranschaulichen die Situation der indigenen Bevölkerung Mitte des vergangenen Jahrhunderts: Sie wurden sowohl persönlich als auch strukturell diskriminiert, sollten sogenannte unwirtschaftliche Landteile obligatorisch veräußern und einschneidende Gesetzesänderungen im Bereich der Sozialfürsorge hinnehmen. Der Māori Land March 1975 bildete einen der Hochpunkte der modernen Protestbewegung, über den Harris ausführlich berichtet. Mit diesem Landmarsch (genannt hīkoi), der über alle internen Streitigkeiten hinweg initiiert wurde, protestierte die indigene Bevölkerung gegen ihre von der Regierung geplante Diskriminierung, Assimilation und Enteignung. Das Buch spannt den Bogen bis zum zweiwöchigen Hīkoi 2004, an dem rund 25.000 Menschen teilnahmen und der ein deutliches Zeichen gegen die Abschaffung der māorischen Gewohnheitsrechte setzte.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.66 | 2.22 | 2.23 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Aroha Harris: Hīkoi. Der lange Marsch der Māori. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35094-hīkoi-der-lange-marsch-der-māori_42238, veröffentlicht am 31.01.2013. Buch-Nr.: 42238 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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