Portal für Politikwissenschaft

Kathrin Gerlof / Rico Prauss

Die Kommunalen. LINKE im Land: 16 Geschichten aus Rathäusern und Gemeinden

Hamburg: VSA 2012; 206 S.; 14,80 €; ISBN 978-3-89965-495-0
Die Kommunalpolitiker – jeder parteipolitischer Couleur – werden in den Veröffentlichungen von Wissenschaftlern und Publizisten meist kaum näher betrachtet, obgleich sie „Hoffnungs- und Lastenträger in einem [sind]: Menschen, die ‚große’ Politik im Kleinen umsetzen müssen“ (7), wie die inzwischen zurückgetretene Vorsitzende der Partei DIE LINKE Gesine Lötzsch in ihrem Vorwort schreibt. Vor diesem Hintergrund stellt das Buch der in Köthen/Anhalt geborenen Journalistin Gerlof und des aus Frankfurt am Main stammenden Fotografen Prauss etwas Besonderes dar: Das „Ost-West-Gespann“ begleitete 16 für DIE LINKE kommunalpolitisch aktive Frauen und Männer aus allen Bundesländern (wahrscheinlich) einen Tag lang; auf dieser Basis erstellten sie sehr interessante Einzelporträts mit zahlreichen Fotos. Darin wird dem Leser mehrmals klar, dass Kommunalpolitiker oft nur ehrenamtlich aktiv sind; so übt Regina Erbsmehl das Amt der (Orts-)Bürgermeisterin von Immenrode/Thüringen neben ihrer Arbeit in einem Möbelkaufhaus aus und erhält eine Aufwandsentschädigung von 170 Euro. Am Beispiel von Michael Häuser, der ehrenamtlicher Bürgermeister von Obertiefenbach/Taunus ist, wird deutlich, dass es – trotz des In-den-Hintergrund-Rückens der Parteizugehörigkeit in der Kommunalpolitik – für die Kandidaten der Linkspartei imWesten immer noch schwieriger sein dürfte als im Osten: „Man muss davon ausgehen, dass die Leute ihn nicht deswegen [Parteizugehörigkeit], sondern trotzdem zum Bürgermeister gewählt haben“ (52). Der Unterschied zwischen Ost und West manifestiert sich auch darin, dass die Partei in den alten Ländern nur über wenige Vertreter in den Gemeinderäten verfügt; dennoch kann sie etwas erreichen, wie das Beispiel Tübingens zeigt: „Eine der ersten Forderungen der PDS war, ehemaligen Zwangsarbeitern eine zusätzliche Entschädigung von 5.000 Mark zu zahlen. Die SPD sagte nein, die Grünen waren unsicher, die CDU aber fand die Forderung richtig. Da schwenkte die SPD um, und die Grünen sagten auch Ja. 3.000 Mark wurden es am Ende für jeden Betroffenen“ (63).
Hendrik Träger (HT)
Dr., Politikwissenschaftler, Lehrkraft für besondere Aufgaben, Institut für Politikwissenschaft, Universität Magdeburg und Institut für Politikwissenschaft, Universität Leipzig.
Rubrizierung: 2.325 | 2.331 Empfohlene Zitierweise: Hendrik Träger, Rezension zu: Kathrin Gerlof / Rico Prauss: Die Kommunalen. Hamburg: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34967-die-kommunalen_42059, veröffentlicht am 19.04.2012. Buch-Nr.: 42059 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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