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Kapitalismus und Krisen heute – Herausforderung für Transformationen

Günter Krause (Hrsg.)

Kapitalismus und Krisen heute – Herausforderung für Transformationen

Berlin: trafo Wissenschaftsverlag 2011 (Abhandlungen der Leibniz-Sozietät 28); 214 S.; 29,80 €; ISBN 978-3-89626-975-1
In ihren Aufsätzen unternehmen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Rosa Luxemburg Stiftung und der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin den Versuch, „anhand der Entwicklungen jüngerer Zeit erste verallgemeinernde Wertungen zu Kapitalismus und Krise“ sowie „zur Frage notweniger gesellschaftlicher Umbauten/Transformationen zu treffen“ (9), schreibt einleitend Günter Krause. Er wurde 1984 in der DDR zum Ordentlichen Professor für Geschichte der politischen Ökonomie berufen und ist heute freiberuflich für die Rosa Luxemburg Stiftung tätig. Krause ordnet diesen Band in eine Reihe von Publikationen jüngeren Datums ein, in denen die globale Finanz- und Wirtschaftskrise von 2077/2009 – trotz der von ihm ebenfalls erwähnten Indikatoren für einen konjunkturellen Aufschwung – „als gewichtiger Bestandteil einer ‚organischen Krise’“ (7) des Kapitalismus interpretiert wird. Diesen Publikationen sei u. a. gemeinsam, dass sie die Krisenprozesse als Ausdruck der Irrationalität der Logik und Funktionsweise des Kapitalismus erkennen sowie „für Theorien und Praxen alternativen Wirtschaftens“ (9) plädieren. Auch in diesem Band sieht Christa Luft, DDR-Wirtschaftsministerin in der Modrow-Regierung, die Systemdebatte durch die Krise belebt. Nach einer theoretischen, an Marx angebundenen Abhandlung beschreibt sie die „Felder ‚revolutionärer Realpolitik’“, ausgehend von der Annahme, dass es nur transformatorische Schritte, aber kein „‚Systemhopping’“ geben wird. Luft befürwortet eine „solidarische Wirtschaftsordnung, in der verschiedene Eigentumsformen Platz haben“ (37). Ähnlich wie sie knüpfen auch andere Autoren des Bandes an theoretische Vorüberlegungen (nicht nur von Marx) an. Krause hebt den US-amerikanischen Ökonomen Thorstein B. Veblen (1857-1929) hervor, in dessen substanzieller Kritik am Kapitalismus „reale emanzipatorische Potenziale“ (145) zu entdecken seien. In einigen Beiträgen werden zudem spezifische Probleme und Fragen behandelt. Dazu zählt jener von Judith Dellheim, u. a. Sprecherin der AG Wirtschaftspolitik der Partei DIE LINKE. Sie thematisiert die Nachhaltigkeitsdebatte und einen sozialökologischen Umbau, dabei ordnet sie die entsprechenden Debatten in ihrer Partei ein. Ein anzustrebender sozialökologischer Umbau sei, schreibt sie zusammenfassend, „zum einen als ein antikapitalistisches Gegenprojekt zu den herrschenden gesellschaftlichen Zuständen und zugleich zum anderen als ein Alternativprojekt für eine lebenswerte attraktive Zukunft“ (205) zu verstehen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.45 | 2.2 | 4.43 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Günter Krause (Hrsg.): Kapitalismus und Krisen heute – Herausforderung für Transformationen Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34909-kapitalismus-und-krisen-heute--herausforderung-fuer-transformationen_41975, veröffentlicht am 31.05.2012. Buch-Nr.: 41975 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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