Portal für Politikwissenschaft

Interessengruppen und ihr Einfluss auf die Wohlfahrt der Bundesrepublik Deutschland

Sebastian Hothan

Interessengruppen und ihr Einfluss auf die Wohlfahrt der Bundesrepublik Deutschland. Eine empirische Untersuchung entlang des Argumentationsstrangs von Mancur Olson

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2011 (Beiträge zur Politikwissenschaft 95); 126 S.; geb., 22,80 €; ISBN 978-3-631-61888-2
Studienarbeit Göttingen; Betreuung: A. Busch. – Der Autor widmet sich der Frage, welche empirische Evidenz für Mancur Olsons These der „institutionellen Sklerose“ spricht. Mit diesem Schlagwort beschreibt Olson in seinem Werk „The Rise and Decline of Nations“ die negativen Auswirkungen, die eine wachsende Anzahl an Interessenverbänden auf die Wohlfahrt eines Landes verursachen. Hothan will prüfen, ob diese Aussagen empirischen Befunden für Deutschland entsprechen. Zur Aufarbeitung der Theorie und ihrer Bestandteile erfolgt zunächst eine gründliche Auseinandersetzung mit Olsons Ausführungen sowie artverwandten Ansätzen. In einem zweiten Schritt nimmt der Autor eine Operationalisierung der Olson’schen Theorie vor. Zwei Dinge werden hierbei deutlich: Die Datenlage ist auch in Bezug auf unstrittige Indikatoren dürftig. Insbesondere die Verbändeforschung ist mit der zunehmenden Pluralisierung von Akteuren auf dem Feld der Interessenvertretung sowie mit dem Gestaltwandel des Lobbyings weg von Großverbänden hin zu Public-Affairs-Agenturen herausgefordert. Zudem fehlen einige der für die empirische Untersuchung benötigten Informationen. Hothan arbeitet deshalb mit Proxy-Variablen, denn insbesondere die Messung der Wohlfahrt von Staaten stellt Empiriker noch immer vor Probleme. Im dritten Schritt schließlich wertet der Autor die Daten regressionsanalytisch aus. Das Ergebnis mutet zunächst durchaus paradox an. Zwar gibt ein Befund Olson durchaus recht: Das Alter der Demokratie hat einen signifikanten negativen Einfluss auf die Wohlfahrt. Jedoch lässt Hothan dieses Ergebnis für die Überprüfung der Theorie nicht gelten, da dieser Effekt nicht ohne Weiteres dem Wirken von Interessengruppen zugeschrieben werden kann. Vor dem Hintergrund der beschriebenen Probleme muss der Autor damit zwar hinter seinem Anspruch einer empirischen Klärung von Olsons Theorie vom Niedergang der Nationen zurückbleiben. Dennoch lenkt er nicht zuletzt dadurch den Blick auf das Problem, empirisch eigentlich gut handhabbare Theorien aufgrund fehlender Daten nicht prüfen zu können.
Daniel Gerstenhauer (DG)
M. A., Sozialwissenschaftler, Doktorand, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.331 | 5.45 Empfohlene Zitierweise: Daniel Gerstenhauer, Rezension zu: Sebastian Hothan: Interessengruppen und ihr Einfluss auf die Wohlfahrt der Bundesrepublik Deutschland. Frankfurt a. M. u. a.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34810-interessengruppen-und-ihr-einfluss-auf-die-wohlfahrt-der-bundesrepublik-deutschland_41848, veröffentlicht am 22.03.2012. Buch-Nr.: 41848 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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