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Die besondere Nation

Philippe Ludwig

Die besondere Nation. Wie der Glaube an Einmaligkeit die Außenpolitik der USA beeinflusst

Marburg: Tectum Verlag 2011 (Politikwissenschaften 43); 137 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-2655-7
Philippe Ludwig sieht in John Winthrop den „Gründungsvater“ des Konzepts des „American Exceptionalism“ (31) und bezeichnet dieses als einen Schlüsselfaktor des politischen Selbstverständnisses der USA. In der Laienpredigt „A Model of Christian Charity“ von 1630 habe Winthrop verkündet, dass Gott „das auserwählte Volk“ (34) in ein vorherbestimmtes Land führen werde, wo keine Feinde zu fürchten seien. Seit Gründung der USA beriefen sich alle Präsidenten darauf, „um das nationale Bestreben und die Identität ihres Landes zu beschreiben“ (31). Dieses Konzept habe die Norm- und Wertvorstellungen der Amerikaner geprägt, lautet Ludwigs These. Es bilde eine zu berücksichtigende Variable für das Verständnis von Motiven und Zielen der Außenpolitik und könne „als Spiegel des nationalen Selbstanspruchs verstanden werden“ (61). Um die Dauerhaftigkeit und die Bedeutung des Konzeptes zu verdeutlichen, gibt der Autor Aufschluss über drei für das außenpolitische Verhalten wichtige Doktrinen: das durch Präsident Monroe 1823 vor dem Kongress unter der Losung „Amerika den Amerikanern“ (62) formulierte Verbot jeglicher Kolonialisierung Amerikas durch europäische Mächte, die Botschaft Präsident Trumans 1947 über das internationale Engagement der USA in der Welt gegen den Einfluss sowjetischer Expansion sowie die direkte Antwort der Bush-Administration auf die Terroranschläge vom 11. September 2001. Die nationale Sicherheitsstrategie sollte nun die vorweggenommene Selbstverteidigung der USA gegen die Schurkenstaaten mit Mitteln eines Präventivangriffs werden. Ludwig vergleicht diese Doktrinen anhand verschiedener Kriterien und gelangt zu dem Schluss, dass alle drei die These der Kontinuität in den Norm-, Wert-, Mittel- und Zielvorstellungen von Demokratie, Frieden und Freiheit bestätigen: Die „Sicherung des Weltfriedens und das Wohlergehen der eigenen Nation“ (13) seien an die Führungsrolle der USA gebunden. Angesichts der durch die Terroranschläge 2001 erwiesenen Verletzlichkeit der USA und der daraus 2002 entstandenen Strategie der „Achse des Bösen“ erweist sich das Buch als eine aktuelle Untersuchung zum vertieften Verständnis der US-Außenpolitik.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.22 | 2.64 | 2.24 | 2.23 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Philippe Ludwig: Die besondere Nation. Marburg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34631-die-besondere-nation_41616, veröffentlicht am 19.04.2012. Buch-Nr.: 41616 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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