Portal für Politikwissenschaft

Politische Selbstbestimmung in der Zweiten Moderne

Daniel Baron

Politische Selbstbestimmung in der Zweiten Moderne. Die Theorie reflexiver Modernisierung im Licht liberal-republikanischer Perspektiven

Marburg: Tectum Verlag 2011 (Politikwissenschaften 45); 143 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-2604-5
Masterarbeit RWTH Aachen; Begutachtung: H. König. – Der Autor versucht, Ulrich Becks Theorie von der Zweiten Moderne mit dem liberal-republikanischen Paradigma Hannah Arendts zu bereichern. Er fragt, ob die Zweite Moderne im Vergleich zur Ersten Moderne wirklich ein neues Phänomen ist, wo die analytischen Grenzen der Theorie liegen und welche Möglichkeiten politischer Freiheit Akteure in der Zweiten Moderne haben könnten. Die erste Hälfte des Buches verwendet er auf die Darstellung theoretischer Grundlagen der Zweiten Moderne und der in Soziologie und Politikwissenschaft geäußerten Kritik. In der zweiten Hälfte setzt sich Baron mit dem Kritikpunkt des „fatalistischen Zirkels“ (82) und dessen theoretischen Folgen auseinander; diesem zufolge ist es nach Becks Theorie nämlich egal, was die Akteure der Zweiten Moderne tun – Hauptsache, sie handeln. Ein neues Risiko, eine neue Katastrophe wird sich dennoch einstellen. Diesen Begründungszirkel versucht er aufzubrechen. Barons Hauptthese lautet: „Um die Zweite Moderne (auch) als einen Ort denken zu können, an dem die Verwirklichung politischer Freiheit im Sinne des liberal-republikanischen Ideals möglich ist, bedarf es der Etablierung politischer Prozeduren, die die (temporäre) Befreiung des Subjekts aus den Zwängen allgegenwärtiger Risiken ermöglicht.“ (13) Eine solche Prozedur erkennt Baron in der Lotterie, etwa als Auswahlinstrument politischer Amtsträger. Ohne Würfel sei die Idee des selbstbestimmten Akteurs angesichts allgegenwärtiger Risiken verloren. Baron schafft es, Becks hinlänglich diskutiertem Gedankengebäude neue Zugänge und Anbauten zu verschaffen. Er verleiht so insbesondere Befürwortern einer besonnenen Reform des Parlamentarismus neue theoretisch-argumentative Kraft.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 5.42 | 2.2 Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Daniel Baron: Politische Selbstbestimmung in der Zweiten Moderne. Marburg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34623-politische-selbstbestimmung-in-der-zweiten-moderne_41606, veröffentlicht am 09.02.2012. Buch-Nr.: 41606 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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