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Die Krisen des Kapitalismus

Saral Sarkar

Die Krisen des Kapitalismus. Eine andere Studie der politischen Ökonomie. Hrsg. von der Initiative Ökosozialismus

Neu-Ulm: AG SPAK 2010; 382 S.; 22,- €; ISBN 978-3-940865-00-7
Krise und Kapitalismus sind zwei Begriffe, die nicht erst gegenwärtig gut zueinander passen. Nach klassisch marxistischer Lesart – die Sarkar grundsätzlich teilt – wird der Kapitalismus an seinen inneren Widersprüchen scheitern. Gegenwärtig hat man es nach Ansicht des Autors unverhoffterweise mit einer „Zangengriffkrise“ (13) zu tun, die den Kapitalismus aus zwei Richtungen angreift: auf der einen Seite steht die ökologische Krise, die in Form von Klimawandel und Umweltzerstörung daherkommt, und auf der anderen die Rohstoffkrise, die sich in einer bislang nie gekannten Verknappung und Verteuerung von fossilen Brennstoffen sowie Nahrungsmitteln und anderen Rohstoffen manifestiert. Angesichts dieser Grenzen des Wachstums macht sich Sarkar daran, eine Art Grundwissen über die politische Ökonomie zusammenzustellen und zwar für „politische Aktivisten“, die seiner „Meinung nach zu viele Illusionen hegen und zu vielen falschen Theorien anhängen“ (18). – Das ist ein hoher Anspruch, denn er bedeutet im Umkehrschluss: Sarkar kennt die richtigen Theorien. Daran indes darf gezweifelt werden. Ausgebreitet wird kein geschlossenes Theorieangebot, stattdessen liefert der Autor schlaglichtartig einzelne Retrospektiven, etwa auf den Marxismus, den Börsencrash der späten 1920er-Jahre, den Keynesianismus oder den Neoliberalismus. In der Auseinandersetzung mit der gegenwärtig hegemonialen kapitalistischen Doktrin treten einzelne Defizite von Sarkars Darstellung deutlich zu Tage. Der Neoliberalismus beginnt für Sarkar bei der auf Deregulierung und Privatisierung ausgerichteten Politik von Reagan und Thatcher. Vorangegangene Weichenstellungen der Chicago School, mit denen, basierend auf den Lehren von Hayek und Friedman, ganze Staaten – zuallererst in Südamerika, erinnert sei an den Pinochet-Putsch gegen Allende – entdemokratisiert wurden, erwähnt er nicht – und dass, obwohl mit Naomi Kleins „Die Schock-Strategie“ (siehe Buch-Nr. 33203) dazu eine überaus umfassende und spannend zu lesende Monografie vorliegt. Neben der Vergangenheitsdimension leidet in Sarkars Darstellung auch die Gegenwartsbeschreibung. Im abschließenden Kapitel zur aktuellen Weltwirtschaftskrise, das dem bereits 2007 fertiggestellten Manuskript noch nachträglich angefügt wurde, fehlt – wie zuvor schon unter dem Stichwort Neoliberalismus – ein Hinweis auf die gegenwärtig um sich greifende Austeritätspolitik. Insgesamt bietet das Buch damit die weitgehend klar formulierte, grundständige Erklärung einiger ausgewählter Wirtschaftsphänomene und -theorien, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2 | 2.22 | 2.262 | 4.43 | 2.6 | 5.45 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Saral Sarkar: Die Krisen des Kapitalismus. Neu-Ulm: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34564-die-krisen-des-kapitalismus_41520, veröffentlicht am 13.12.2012. Buch-Nr.: 41520 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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