Portal für Politikwissenschaft

Johanna Thiel

Inszenierte Politik in den Bundestagswahlkämpfen 2005 und 2009. Inszenierungsstrategien von Politikern

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2011; 270 S.; geb., 49,80 €; ISBN 978-3-631-61858-5
Diss. Erlangen-Nürnberg; Begutachtung: H. Schoenmakers, M. Warstat. – Das Verteilen von „Wowi-Bären“ in Berlin gehört zu den bekannteren PR-Aktionen des Superwahljahres 2011. Mit der Inszenierung von Politik beschäftigt sich die Medienwissenschaftlerin Johanna Thiel und geht folgenden Fragen nach: „Ist es möglich, konkrete Inszenierungsstrategien von Politikern und Medien im Fernsehen zu bestimmen? Welche Inszenierungsstrategien lassen sich präzise formulieren?“ (16) Bevor es zur Analyse der als Untersuchungsgegenstand ausgewählten Bundestagswahlkämpfe 2005 und 2009 kommt, steht in der ersten Hälfte des Buches die „Theorie der inszenierten Politik“ (Kapitel II) im Mittelpunkt. Hier zeichnet die Autorin lobenswerterweise nicht nur den Forschungsstand nach, sondern setzt sich kritisch mit den Befunden auseinander und ergänzt diese. So fordert Thiel eine Differenzierung des Begriffes der inszenierten Politik und schlägt vor, „im Falle der politischen Vermittlung genuiner Handlungen von ‚in Szene setzen’ zu sprechen“ (36). Außerdem fasst sie die Selbstdarstellungsstrategien zu einem „Kategoriesystem“ (96) zusammen. Darauf wird im empirischen Teil der Arbeit mehrmals zurückgegriffen, um es etwa noch um „die Strategie stoke fears“ (167) zu erweitern. In den Analysekapiteln konzentriert sich die Autorin auf den Fernsehwahlkampf und insbesondere auf die TV-Duelle. Dabei geht sie auch auf die These einer zunehmenden Amerikanisierung ein, die sie teilweise widerlegt. Die Fokussierung auf das Fernsehen ist opportun. Allerdings stellt sich dann die Frage, warum Thiel mehrmals auf Stoibers „Ossi-Beleidigung“ (13) in einem Wahlkampfzelt (2005) und auf das Verhalten der CDU bei der Bundesratsabstimmung über das Zuwanderungsgesetz (2002) eingeht. Dass passt nicht so recht zum Thema, während die Inszenierung von Lafontaine bei der Gründung des Linksbündnisses (2005) nur einmal kurz berücksichtigt wird. Das trübt etwas den Gesamteindruck, ohne die Ergebnisse der Untersuchung infrage zu stellen. Dazu gehört unter anderem: „Ist die Inszenierung gut gelungen, ist sie nicht zu erkennen“ (237).
Hendrik Träger (HT)
Dr., Politikwissenschaftler, Lehrkraft für besondere Aufgaben, Institut für Politikwissenschaft, Universität Magdeburg und Institut für Politikwissenschaft, Universität Leipzig.
Rubrizierung: 2.332 Empfohlene Zitierweise: Hendrik Träger, Rezension zu: Johanna Thiel: Inszenierte Politik in den Bundestagswahlkämpfen 2005 und 2009. Frankfurt a. M. u. a.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34535-inszenierte-politik-in-den-bundestagswahlkaempfen-2005-und-2009_41474, veröffentlicht am 17.11.2011. Buch-Nr.: 41474 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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