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Medienstrategien ägyptischer Islamisten im Kontext von Demokratisierung

Carola Richter

Medienstrategien ägyptischer Islamisten im Kontext von Demokratisierung

Berlin: Frank & Timme 2011 (Medien und politische Kommunikation – Naher Osten und islamische Welt 21); 349 S.; 49,80 €; ISBN 978-3-86596-361-1
Diss. Erfurt; Begutachtung: K. Hafez. – Richter widmet sich in diesem Forschungsprojekt, das lange vor dem arabischen Frühling begann, der Frage, ob Islamisten in Ägypten mittels spezifischer Kommunikationsstrategien einen Beitrag zur Demokratisierung leisten können. Aus einer akteurstheoretischen Perspektive untersucht sie, inwieweit Islamisten als marginalisierte soziale Bewegung unter den systemischen Rahmenbedingungen des politischen Regimes zu einer Pluralisierung von Themen in der Öffentlichkeit beitragen und Mobilisierungserfolge erzielen können. Zur empirischen Überprüfung der ausführlichen theoretischen Überlegungen greift die Autorin auf einen opulenten Methodenmix zurück. Erstens evaluiert sie den Einfluss offizieller islamistischer Websites auf das Agenda Setting der Massenmedien. Zweitens arbeitet sie mittels einer induktiven Framing-Analyse heraus, wie islamistische Medien Themen behandeln und bestimmte Ideen sowie Werte lancieren, die Protest stimulieren und kanalisieren sollen. Drittens wertet sie Leitfadeninterviews mit Vertretern islamistischer und etablierter Massenmedien aus, um spezifische Produktionsstrategien und Intentionen islamistischer Medienmacher herauszuarbeiten. Schließlich dient viertens eine nicht-repräsentative Befragung von Nutzern islamistischer Websites zum Erkenntnisgewinn über den Zusammenhang zwischen Mediennutzung und politischer Partizipation. Im Ergebnis konnten die Islamisten den medialen Diskurs dauerhaft stimulieren und große Mobilisierungserfolge feiern. Die repressiven Reaktionen des Mubarak-Regimes auf die breite Resonanz der Muslimbruderschaft führten jedoch zu Spannungen innerhalb der Bewegung, weshalb trotz der Erfolge ein Rückzug aus dem öffentlichen Raum erfolgte. Die daraus resultierende Gefahr einer Abschottung und Radikalisierung bringt Richter zu dem Plädoyer, dass die Muslimbruderschaft als relevanter Akteur nach dem Sturz des Mubarak-Regimes in den Ausgestaltungsprozess der Demokratisierung eingebunden werden sollte.
Andreas Hetzer (AHE)
Diplom-Medienwirt, Lehrkraft für besondere Aufgaben, Fach Politikwissenschaft, Universität Siegen.
Rubrizierung: 2.63 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Andreas Hetzer, Rezension zu: Carola Richter: Medienstrategien ägyptischer Islamisten im Kontext von Demokratisierung Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34506-medienstrategien-aegyptischer-islamisten-im-kontext-von-demokratisierung_41443, veröffentlicht am 22.12.2011. Buch-Nr.: 41443 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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