Portal für Politikwissenschaft

Regional Governance in stark institutionalisierten Strukturen

Carsten Glietsch

Regional Governance in stark institutionalisierten Strukturen. Eine Studie zur Innovationsfähigkeit ausgewählter Metropolregionen

Hamburg: Verlag Dr. Kovač 2011 (Politica 84); 570 S.; 118,- €; ISBN 978-3-8300-5895-3
Diss. FernUniversität Hagen; Begutachtung: A. Benz. – Im Zuge der Globalisierung haben die Regionen eine Aufwertung als Steuerungsebene erfahren. Mit dem Ziel, die kulturelle und wirtschaftliche Konkurrenz- und Leistungsfähigkeit zu erhalten, wurden in verschiedenen Verdichtungsräumen Deutschlands – mehr oder weniger stark institutionalisierte – Metropolregionen geschaffen, denen wichtige Entscheidungs- und Innovationsfunktionen zugesprochen werden. Für Regionalreformen existiert kein einheitliches Modell, sondern es haben sich unterschiedliche Governance-Formen entwickelt. Der Autor unterstellt einen kausalen Zusammenhang zwischen der Form der regionalen Governance und der Innovationsfähigkeit. Dabei unterscheidet er zwischen offenen (lose gekoppelten) und geschlossenen (eng gekoppelten) Organisationsformen und nimmt an, dass „lose gekoppelte Formen der Regional Governance innovationsfähiger [sind] als eng gekoppelte“ (202). Glietsch untersucht die Innovationsfähigkeit der drei als stark institutionalisiert geltenden, aber unterschiedlich organisierten Metropolregionen Hannover, Rhein-Neckar und Stuttgart am Beispiel konkreter Aufgabenstellungen in den Politikfeldern Regionalplanung, Regionalentwicklung und Wirtschaftsförderung. Die Vermutung, dass die als regionale Gebietskörperschaft verfasste Region Hannover „zu verwaltungslastig, zu unbeweglich und daher weniger innovationsfähig“ (15) sein dürfte als die beiden als Mehrzweckverband institutionalisierten Regionen Stuttgart und Rhein-Neckar, konnte mit der Studie nicht bestätigt werden. Im Ergebnis zeigt sich vielmehr, dass alle drei Regionen in den analysierten Aufgabenfeldern gleichermaßen innovativ waren. Beispielsweise wurden in der Regionalplanung neue Arten des Marketings praktiziert oder im Bereich der Wirtschaftsförderung neuartige Informations- und Vernetzungsdienstleistungen angeboten. Das Ergebnis „stützt die Auffassung, dass die Innovationsfähigkeit einer Region weniger von ihrer institutionellen Verfasstheit abhängt“ und somit „binnenstrukturelle Faktoren nicht erklärungsmächtig“ (523) sind. Daher diskutiert der Autor weitere denkbare Erklärungsfaktoren und gelangt zu der Schlussfolgerung, dass die regionale Anpassungsfähigkeit, flexible Steuerungsstrukturen und der ‚„Faktor Mensch’ regionale Innovationsprozesse ermöglichen“ (543). Insgesamt bietet die Studie einen beachtenswerten Beitrag zur Diskussion über geeignete Steuerungsformen von Verdichtungsräumen.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.325 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Carsten Glietsch: Regional Governance in stark institutionalisierten Strukturen. Hamburg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34504-regional-governance-in-stark-institutionalisierten-strukturen_41441, veröffentlicht am 01.03.2012. Buch-Nr.: 41441 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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