Portal für Politikwissenschaft

Krise und Reform politischer Repräsentation

Markus Linden / Winfried Thaa (Hrsg.)

Krise und Reform politischer Repräsentation

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011; 327 S.; 29,- €; ISBN 978-3-8329-6685-0
Im ersten Teil des Sammelbandes werden verschiedene Krisendiagnosen zur politischen Repräsentation vorgelegt. Dabei wird ein weiter Bogen von theoretischen Reflexionen bis hin zur Diskussion konkreter Fälle gespannt. Zwar werden mit Individualisierung, Globalisierung, Pluralisierung von Lebensstilen sowie Auflösung von Milieus insbesondere soziale Prozesse als Problemursachen benannt. Jedoch gehen die Autoren in ihren Analysen auch darüber hinaus. Indem auf die gewachsene Bedeutung hingewiesen wird, die der medialen Repräsentation von Politik(ern) zukommt, öffnet sich für Fragen von Repräsentation und Demokratie eine Perspektive für die Diskussion eines neuen Stellenwerts von Öffentlichkeit. Hier bieten sich zahlreiche Anknüpfungspunkte bei Habermas‘ deliberativer Demokratietheorie. Im zweiten Teil setzen sich die Autoren dann stärker mit konkreten Reformen der Repräsentationsbeziehungen auseinander. Die betrachteten Anwendungsbeispiele umfassen sowohl direktdemokratische Verfahren auf kommunaler bzw. Landesebene als auch Fragen nach Quotenregelungen für Frauen oder Ausländerbeiräte. Hier wird neben allgemeinen Problemen mangelnder Partizipation deutlich, dass die deskriptive Repräsentation einer Bevölkerungsgruppe deren verbesserte substanzielle Repräsentation zwar nicht garantieren, aber dennoch anstoßen kann. Darüber hinaus wird auch die Stärkung betrieblicher Mitbestimmung besprochen, deren Fluchtpunkt allerdings die Demokratisierung der Wirtschaft sein kann. Letztlich zeigt sich, dass insbesondere die Ausgestaltung der Verfahren ein Punkt ist, an dem mit wenig Aufwand viel zur Verbesserung von Partizipation – und damit von Repräsentation – beigetragen werden kann. Dies muss bei der Transparenz der Verfahren beginnen und kann bis hin zur gesonderten Aktivierung schwacher Interessen, beispielsweise durch Auslosung von Beteiligten, gehen. Der Band versammelt die Beiträge, die 2010 im Rahmen einer vom Sonderforschungsbereich 600 an der Universität Trier veranstalteten Tagung vorgestellt wurden.
Daniel Gerstenhauer (DG)
M. A., Sozialwissenschaftler, Doktorand, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.32 | 2.325 | 2.331 | 2.36 | 2.2 | 2.21 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Daniel Gerstenhauer, Rezension zu: Markus Linden / Winfried Thaa (Hrsg.): Krise und Reform politischer Repräsentation Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34420-krise-und-reform-politischer-repraesentation_41338, veröffentlicht am 24.11.2011. Buch-Nr.: 41338 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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