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Klientelismus in der Politik Mexikos

Barbara Schröter

Klientelismus in der Politik Mexikos. Parteien im Vergleich

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011 (Politik in Afrika, Asien und Lateinamerika. Politikwissenschaftliche Analysen zur Entwicklungs- und Schwellenländerforschung); 309 S.; 39,95 €; ISBN 978-3-531-18122-6
Politikwiss. Diss. Würzburg; Begutachtung: H. J. Lauth. – Die Autorin fragt nach Kontinuität und Wandel des Klientelismus im Zuge der demokratischen Transition Mexikos. Im Wahljahr 2002 wurde die 72-jährige, von klientelistischen Strukturen geprägte autokratische Herrschaft des Partido Revolucionairo Institucional (PRI) beendet. Sie wurde durch den Partido de Acción National (PAN) abgelöst. Als dritte wichtige politische Kraft gilt der von der PRI abgespaltene progressive demokratische Partido de la Revolución Democrática (PRD). Seit „der Ablösung des PRI im Jahre 2000 unternehmen die mexikanischen Parteien große Anstrengungen, den formalen Kriterien der Demokratie zu entsprechen und ihre Organisationsapparate und Verhaltensweisen den neuen Bedingungen anzupassen“ (23), erläutert Schröter. Sie fragt, ob durch demokratische Entwicklung und ökonomische Modernisierung der Klientelismus verdrängt wurde oder die alten, informellen klientelistischen Strukturen im neuen politischen Umfeld weiter bestehen. Hierfür vergleicht sie den organisatorischen Aufbau der drei Parteien und deren Strategien der Wählermobilisierung. In einer Fallstudie untersucht sie die Entwicklungspfade beziehungsweise Pfadabhängigkeiten in Bezug auf Klientelismus vor und nach dem Wahljahr in sechs Gemeinden. Da die Autorin beansprucht, „ein universelles Konzept von Klientelismus aufzustellen“ (22), ist dem empirischen Teil der Arbeit ein umfangreicher theoretischer Abschnitt zum Phänomen des Klientelismus, zum Neoinstitiutionalismus und zum Wandel von Institutionen vorangestellt. Aus dieser theoretischen Abhandlung leitet sie ein Modell einer klientelistischen Partei ab, das ihr als Maßstab für die Fallstudie dient. Zusätzlich zur Kerndefinition müssen danach acht Attribute (Asymmetrie, Abhängigkeit, Gegenseitigkeit und Freiwilligkeit des Tausches, persönliche Beziehung, Informalität, Vertrauen und Loyalität) erfüllt sein, um die Mobilisierungsstrategie einer Partei als klientelistisch zu beurteilen. Diese Bedingungen treffen in den untersuchten Fällen nicht zu: „Dauerhafte, loyale Beziehungen und moralische Verpflichtungen zwischen Wählern und Parteien bestehen zum Großteil nicht mehr und somit gibt es in diesen Regionen keinen Klientelismus mehr.“ (278) Alle drei Parteien konzentrierten sich darauf, Wahlen zu gewinnen und dafür kurzfristig mit allen möglichen Mitteln Wähler zu mobilisieren.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.65 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Barbara Schröter: Klientelismus in der Politik Mexikos. Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34313-klientelismus-in-der-politik-mexikos_41182, veröffentlicht am 12.01.2012. Buch-Nr.: 41182 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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