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Die Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung in der UdSSR/Russland und in der Volksrepublik China

Hans-Joachim Spanger / Bernd Reddies

Die Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung in der UdSSR/Russland und in der Volksrepublik China

Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2011 (Geschichte der internationalen Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung 6); 317 S.; brosch., 26,- €; ISBN 978-3-8012-0411-2
Die Autoren bilanzieren in ihren chronologisch angelegten Aufsätzen die Tätigkeit der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) an „zwei Schaltstellen der Weltpolitik“ (7). Spanger, Experte der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, schildert die Startprobleme der FES im Russland der frühen 70er-Jahre. Von der DDR-Propaganda beim großen sozialistischen Bruderstaat als „Handlanger des US-Imperialismus“ (17 ff.) angeschwärzt, stieß die Stiftung im Kreml zunächst auf Skepsis. Erst in der Endphase der Sowjetunion konnte 1989 offiziell ein FES-Büro in Moskau eröffnet werden, das sich um Verbesserung der bi- und multilateralen Beziehungen auf allen Ebenen bemühte sowie die Schaffung marktwirtschaftlicher Mechanismen und den Reformprozess der Ära Gorbatschow unterstützte. Während der Präsidentschaft Putins war die FES vermehrt Schikanen ausgesetzt, engagierte sich jedoch u. a. im Petersburger Dialog und im sogenannten Bürgerforum, um die Zivilgesellschaft zu stärken. Neben personeller Kontinuität in der Büroleitung identifiziert der Autor die langjährige, keineswegs friktionsfreie Kooperation mit Gewerkschaften und Parteien als Eckpfeiler der FES-Strategie. Spanger attestiert der FES eine erfolgreiche Etablierung als „der mit Abstand sichtbarsten und am breitesten aufgestellten politischen Stiftung in Russland“ (155). In der Volksrepublik China ergaben sich nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Bundesrepublik 1972 erste Kontakte zur FES, die von hochrangigen Delegationen initiiert wurden. Die Stiftung wurde schwerpunktmäßig auf den Feldern der Sozialstruktur- und Studienförderung, Medienprofessionalisierung sowie in der Berufsbildung aktiv. Offizielle Vertretungsbüros wurden jedoch auch hier erst 1985 in Shanghai und 1987 in Peking institutionalisiert. Das Tiananmen-Massaker 1989 brachte eine tiefe Zäsur, jedoch entschied sich die Stiftung gegen die Schließung ihrer Büros. Reddies verweist auf die Vorbildfunktion der FES beim Einstieg weiterer deutscher parteinaher Stiftungen seit der Öffnung des Landes in den 90er-Jahren – die FES habe früher als diese erkannt, „dass eine politisch gewichtige Arbeit in China erforderte, sich ins Parteiumfeld zu begeben“ (261).
Ulrich Heisterkamp (HEI)
Politikwissenschaftler, Doktorand am Institut für Politikwissenschaft der Universität Regensburg.
Rubrizierung: 4.44 | 2.62 | 2.68 | 2.331 Empfohlene Zitierweise: Ulrich Heisterkamp, Rezension zu: Hans-Joachim Spanger / Bernd Reddies: Die Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung in der UdSSR/Russland und in der Volksrepublik China Bonn: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34251-die-arbeit-der-friedrich-ebert-stiftung-in-der-udssrrussland-und-in-der-volksrepublik-china_41109, veröffentlicht am 08.09.2011. Buch-Nr.: 41109 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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