Portal für Politikwissenschaft

Terror in der Medienberichterstattung

Bernadette Linder

Terror in der Medienberichterstattung

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011; 374 S.; 49,95 €; ISBN 978-3-531-18241-4
Politikwiss. Diss. Innsbruck. – Nach den Terroranschlägen von „Nine-Eleven“ sowie im Zuge der US-geführten Kriege in Afghanistan und im Irak wurde der TV-Nachrichtensender Al Jazeera verbal angegriffen. Vorwiegend westliche Kritiker, darunter Protagonisten der Bush-Administration, attackierten den in Doha ansässigen Kanal als „Sprachrohr der Terroristen“ (20). Linder nimmt diese negative Wahrnehmung zum Anlass eines Vergleichs des Schwestersenders Al Jazeera Englisch (AJE) mit den internationalen Ablegern des US-amerikanischen Cable News Network (CNN International) und der British Broadcasting Corporation (BBC World News). Die Autorin intendiert, „eine Forschungslücke in der qualitativen Fernsehnachrichtenanalyse zu schließen“, ihre detaillierte Inhaltsanalyse der drei Sender erfolgte im Zeitraum zwischen Februar und Juli 2009. Geklärt werden soll, in welchem Ausmaß sich die AJE-Terrorberichterstattung von CNN und BBC unterscheidet und ob der Sender terroristischen Gruppen wie Al Kaida und den Taliban mehr „Raum“ gewährt als westliche TV-Stationen. Hierzu reflektiert Linder zunächst die Entwicklung der politikwissenschaftlichen Medienforschung sowie das Zusammenspiel von Politik und Medien. Während diese allgemeinen Theorieabschnitte den Bezug zu den Leitfragen der Studie nur indirekt herstellen, führt das anschließende Kapitel „Medien und Terrorismus“ (59 ff.) konsequent zur empirischen Analyse hin. Linder zeigt, dass die jeweilige Handlungslogik von Terrorismus und Medien oft in einer Symbiose mündet. Spektakuläre, mit psychologischer Schockwirkung verbundene Terroraktionen zielen auf maximale Publizität zur Verbreitung politischer Ziele. Die nach Auflagen- und Quotensteigerung strebenden (visuellen) Medien profitieren aufgrund hoher Nachrichtenwertfaktoren unweigerlich von dieser Strategie der Terroristen und unterliegen daher der Gefahr, zu Propagandazwecken instrumentalisiert zu werden. Die Autorin gelangt zu dem Schluss, dass AJE zwar häufiger, intensiver und aus einer opferzentrierten, stärker regionalen Perspektive über Terroranschläge berichtet, dabei jedoch nicht weniger sachorientiert und objektiv ist als die westliche Konkurrenz.
Ulrich Heisterkamp (HEI)
Politikwissenschaftler, Doktorand am Institut für Politikwissenschaft der Universität Regensburg.
Rubrizierung: 2.22 | 2.25 | 2.61 | 2.64 | 2.63 Empfohlene Zitierweise: Ulrich Heisterkamp, Rezension zu: Bernadette Linder: Terror in der Medienberichterstattung Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34223-terror-in-der-medienberichterstattung_41069, veröffentlicht am 01.09.2011. Buch-Nr.: 41069 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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