Portal für Politikwissenschaft

Roland Jahn

Gerald Praschl

Roland Jahn. Ein Rebell als Behördenchef

Berlin: Ch. Links Verlag 2011; 240 S.; geb., 19,90 €; ISBN 978-3-86153-641-3
Roland Jahn ist seit März 2011 der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen. Genau wie Joachim Gauck und Marianne Birthler entstammt Jahn der Oppositionsbewegung der untergegangenen DDR. Anders als seine beiden Amtsvorgänger aber hat Jahn seinen Widerstand gegen das SED-Regime mit schweren persönlichen Opfern, mit Inhaftierung, Trennung von der Familie und Zwangsabschiebung in den Westen, bezahlt. Die spannend geschriebene Biografie des Journalisten Gerald Praschl macht verständlich, warum Roland Jahn in seinem neuen Amt deshalb manche Akzente anders setzt. Jahn wurde am 14. Juli 1953 in Jena geboren. Nach Schule und Wehrdienst beginnt er 1975 ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. In Folge der Ausbürgerung vom Wolf Biermann kommt es Ende 1976 zu einer Welle von Verhaftungen und Abschiebungen in den Kreisen der Jenaer Oppositionsszene, in denen sich Jahn bewegt. Der Protest gegen die Ausbürgerung Biermann in einem Seminar für Marxismus-Leninismus führt zu seiner Zwangsexmatrikulation. In der Folge schlägt er sich als Transportarbeiter durch und macht durch eine Reihe oppositioneller Aktionen auf sich aufmerksam. In welche Gefahr er sich damit begibt, weiß Jahn spätestens 1982, als sein Freund Matthias Domaschk im Stasi-Gefängnis in Gera unter bis heute ungeklärten Umständen zu Tode kommt. Im September des Jahres wird auch Jahn verhaftet – er hatte eine polnische Fahne mit der Aufschrift „Solidarność“ an seinem Fahrrad befestigt. Auch seine Lebensgefährtin wird verhaftet. Jahns Vater, Ehrenmitglied und Abteilungsleiter Jugend beim FC Carl Zeiß Jena, wird aus dem Verein ausgeschlossen. Wenige Monate nach seiner Entlassung aus der Stasi-Haft wird Jahn 1983 bei einem Termin auf dem Wohnungsamt erneut festgenommen und gegen seinen Willen in einem verschlossenen Eisenbahnabteil in den Westen abgeschoben. Auch in West-Berlin, wo er mit Unterstützung durch Jan Philipp Reemtsmas Institut für Sozialforschung die Oppositionsbewegung der DDR erforscht – also unterstützt –, bleibt Jahn im Visier der Staatssicherheit. Als Journalist des ARD-Magazins Kontraste steht er weiter in engem Kontakt zur DDR-Opposition. Den von Jahn in die DDR geschmuggelten Kameras und den mutigen illegal operierenden Kameraleuten verdanken wir einige der wenigen unzensierten Einblicke in die späte DDR.
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.3 | 2.314 | 2.315 | 2.35 | 2.324 Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Gerald Praschl: Roland Jahn. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34193-roland-jahn_41023, veröffentlicht am 22.12.2011. Buch-Nr.: 41023 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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