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Politische Institutionen, Wahlen und Parteien im Bundesland Bremen

Lothar Probst (Hrsg.)

Politische Institutionen, Wahlen und Parteien im Bundesland Bremen

Berlin: Lit 2011 (Politik und Partizipation 5); 159 S.; 14,90 €; ISBN 978-3-643-11145-6
Der politische Alltag des kleinsten deutschen Bundeslandes erfährt in der Regel wenig Beachtung. Bremen habe aber größere Aufmerksamkeit verdient, schreibt Probst einleitend, „weil es in vielerlei Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung unter den Bundesländern darstellt“ (3). So ist die politische Struktur Bremens durch einige Besonderheiten gekennzeichnet, die aus der Konstituierung als Zwei-Städte-Staat resultieren. Eigentümlichkeiten zeigen sich auch in der Entwicklung des Parteiensystems: Seit 1946 ist die SPD ununterbrochen führende Regierungspartei. Zudem ist Bremen das einzige westliche Bundesland, das Erfahrungen mit einer Ampelkoalition hat und in dem sich eine Große Koalition am längsten gehalten hat. Diese und weitere bremische Charakteristika werden vor dem Hintergrund der stadtstaatlichen sowie wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Entwicklung betrachtet. An einen Überblick über die wichtigsten politischen Institutionen schließt sich eine systematische Darstellung und Analyse der Parteien und Wahlen in Bremen und Bremerhaven seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges an. Darin zeigt sich beispielsweise, dass in Bremen, das gemeinhin als sozialdemokratische Hochburg mit linker Tradition gilt, rechte Parteien „bemerkenswerte Wahlerfolge erzielen konnten“ (70), was u. a. auf die getrennte Fünfprozentklausel in den Wahlbereichen Bremen und Bremerhaven zurückgeführt wird. Zudem war das Land immer wieder ein „Laboratorium von Kleinstparteien und Wählervereinigungen“ (74). Insgesamt wird Bremen eine dynamische Entwicklung des Parteiensystems bescheinigt, die „noch nicht zu Ende zu sein [scheint]“ (112). Die vielgestaltige Sonderstellung Bremens, die in diesem Band anschaulich herausgearbeitet wird, zeigt sich schließlich auch bei den Europawahlen – hier hebt sich das Land mit einer unterdurchschnittlichen Wahlbeteiligung hervor. Das Buch ist ein Gemeinschaftswerk von Mitgliedern aus dem Arbeitsbereich Wahl-, Parteien- und Partizipationsforschung an der Universität Bremen.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.325 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Lothar Probst (Hrsg.): Politische Institutionen, Wahlen und Parteien im Bundesland Bremen Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33949-politische-institutionen-wahlen-und-parteien-im-bundesland-bremen_40690, veröffentlicht am 24.11.2011. Buch-Nr.: 40690 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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