Portal für Politikwissenschaft

Aktivierung und Mindestsicherung

Christine Stelzer-Orthofer / Josef Weidenholzer

Aktivierung und Mindestsicherung. Nationale und europäische Strategien gegen Armut und Arbeitslosigkeit

Wien: Mandelbaum Verlag 2011; 315 S.; 17,80 €; ISBN 978-3-85476-361-1
In der sozialpolitischen Reformdiskussion hat sich seit den 90er-Jahren das Modell des aktivierenden (Sozial-)Staates durchgesetzt. Aktivierungsstrategien rücken ausdrücklich von einer sich primär auf monetäre Transfers konzentrierenden Sozialpolitik ab, die – faktisch oder vermeintlich – den versorgenden Sozialstaat der 70er- und 80er-Jahre kennzeichnete. Als Schlüssel zur Bekämpfung von Armut und Transferabhängigkeit gilt die Integration in den Arbeitsmarkt, die durch einen individuell ansetzenden Mix von sanktionierenden und unterstützenden Verfahren und Instrumenten erreicht werden soll. Die Europäische Kommission hat dieses Konzept zum zentralen Bestandteil ihrer Inklusionspolitik gemacht und in Deutschland ist es seit 2005 mit den sogenannten Hartz-Reformen – unter anderem durch die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe – weitgehend umgesetzt worden. In Österreich sind 2010 im Zuge einer Vereinheitlichung der Sozialhilfe die rechtlichen Voraussetzungen zur Einführung einer bedarfsorientierten Mindestsicherung geschaffen worden, die allerdings – anders als in Deutschland – die Kompetenzen zwischen Bundesländern und Bund nicht verändern. Vor diesem Hintergrund diskutieren die Autoren Ansätze der Armutsbekämpfung im Spannungsfeld zwischen Aktivierung und monetärer Absicherung. Im Vordergrund stehen zwar österreichische Beispiele, aber der Band sollte ebenso für deutsche Leser von Interesse sein. Denn zum einen werden auch Entwicklungen auf europäischer Ebene – wie die Offene Methode der Koordinierung und die Europäische Beschäftigungsstrategie – behandelt, zum anderen problematisieren die Autoren durchgängig ein undifferenziertes Verständnis von Aktivierung, das auf Beschäftigung um jeden Preis zielt. Der Band ist aus einer 2010 an der Johannes Kepler Universität Linz durchgeführten Konferenz im Rahmen des mit Mitteln der Europäischen Union geförderten Projektes „AURORA plus. Neue Wege aus der Armut“ entstanden.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.4 | 2.262 | 3.5 | 2.342 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Christine Stelzer-Orthofer / Josef Weidenholzer: Aktivierung und Mindestsicherung. Wien: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33948-aktivierung-und-mindestsicherung_40689, veröffentlicht am 12.01.2012. Buch-Nr.: 40689 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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