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Gesellschaftliche Naturverhältnisse in der Internationalisierung des Staates

Markus Wissen

Gesellschaftliche Naturverhältnisse in der Internationalisierung des Staates. Konflikte um die Räumlichkeit staatlicher Politik und die Kontrolle natürlicher Ressourcen

Münster: Westfälisches Dampfboot 2011 (Raumproduktionen: Theorie und gesellschaftliche Praxis 10); 301 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-89691-878-9
Habilitationsschrift Wien; Begutachtung: E. Kreisky, A. Brunnengräber, G. Kütting. – Die räumliche Dimension politischer und sozialer Prozesse hat in der sozialwissenschaftlichen Auseinandersetzung der vergangenen zwei Dekaden eine starke Aufwertung erfahren. Erstaunlicherweise – so einer der Ausgangspunkte des Autors – ist dabei die physisch-materielle Raumdimension (in Form von Natur und gebauter Umwelt) gegenüber der skalaren, also die Ebenen sozialer Auseinandersetzungen betreffenden Dimension, weitgehend vernachlässigt worden. Hier knüpft Wissen an und widmet sich der Aufgabe einer Zusammenführung beider Dimensionen. Er greift auf den in den vergangenen Jahren entwickelten Begriff der gesellschaftlichen Naturverhältnisse zurück, der sich einer stärkeren Verknüpfung von Umwelt- und politökonomischer Forschung verschrieben hat. Aus einer materialistischen Theorietradition heraus bedient sich Wissen dabei einer ganzen Reihe unterschiedlicher Ansätze, welche unter anderem die Radical Geography, die neogramscianische Internationale Politische Ökonomie sowie die relationale Staatstheorie von Nicos Poulantzas umfassen. In einer empirischen Analyse der ehemals öffentlich bewirtschafteten Ressourcen Biodiversität und Wasser sowie einer Fallstudie zum Schutz geistigen Eigentums an genetischen Ressourcen zeichnet der Autor detailliert die Inwertsetzung natürlicher Ressourcen und die damit verbundenen sozialen und politischen Auseinandersetzungen nach. Er zeigt dabei, dass die räumliche Redimensionierung des Staates bzw. die partielle Verschiebung staatlicher Aufgaben auf die inter-/supranationale und auch auf die subnationale/private Ebene ein wesentliches Moment der veränderten (postfordistischen) Formen von Naturbeherrschung darstellt. In kritischer Abgrenzung zu funktionalistischen Herangehensweisen zeigt Wissen, dass es gerade nicht der grundsätzlich grenzüberschreitende Charakter von Umweltproblemen ist, der die staatlichen Handlungsebenen in Richtung einer internationalen Zusammenarbeit verschiebt; die veränderten politischen und gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse bringen vielmehr eine Transformation des Staates mit sich. Die spezifische Art der Transformation und die damit verbundenen neuen Machtstrukturen entscheiden dann umgekehrt gerade darüber, was zum politisch wirkmächtigen Umweltproblem wird und auf welcher Ebene und durch welche Akteure dieses bearbeitet wird.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.41 | 2.21 | 4.3 | 4.43 | 4.45 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Markus Wissen: Gesellschaftliche Naturverhältnisse in der Internationalisierung des Staates. Münster: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33943-gesellschaftliche-naturverhaeltnisse-in-der-internationalisierung-des-staates_40683, veröffentlicht am 01.12.2011. Buch-Nr.: 40683 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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