Portal für Politikwissenschaft

Soziale Ungleichheiten in Lateinamerika

Ingrid Wehr / Hans-Jürgen Burchardt (Hrsg.)

Soziale Ungleichheiten in Lateinamerika. Neue Perspektiven auf Wirtschaft, Politik und Umwelt

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011 (Studien zu Lateinamerika 10); 333 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-8329-6278-4
In den Demokratien Lateinamerikas konnten nach dem Ende der Militärdiktaturen zwar politische Partizipationsrechte ausgeweitet werden, jedoch sind auf der Ebene der sozialen Teilhabe beträchtliche Defizite zu bemängeln. Ein Großteil der Bevölkerung bleibt vom gesellschaftlichen Reichtum ausgeschlossen und die soziale Mobilität ist aufgrund manifester Verteilungs- und Zugangsblockaden gering. Die starke gesellschaftliche Stratifikation und Segmentierung hat Folgen für die Legitimität der demokratischen Systeme, denn die politische Performanz wird auch an der ökonomischen Leistungsfähigkeit und der gesamtgesellschaftlichen Wohlfahrtsmaximierung gemessen. Mit der Analyse der Sozialstruktur widmen sich die Herausgeber einem wichtigen Forschungsdesiderat der deutschen Lateinamerikaforschung, die ansonsten eher politische und ökonomische Themen in den Blick nimmt. Auf diesen Mangel haben bereits 2008 Dieter Boris u. a. in ihrem Sammelwerk „Sozialstrukturen in Lateinamerika“ (siehe Buch-Nr. 35344) aufmerksam gemacht. Wenn im Titel des Sammelbandes von Ungleichheiten in der Mehrzahl die Rede ist, dann deshalb, weil sich die Autorinnen und Autoren an die Erforschung der Ursachen und Reproduktionsmechanismen gesellschaftlicher Disparitäten in unterschiedlichen Politikfeldern begeben. Die gesellschaftlichen Macht- und Kräfteverhältnisse werden in den Bereichen Steuer-, Gesundheits-, Arbeitsmarkt-, Umwelt-, Bildungs- und Sozialpolitik analysiert. Darüber hinaus werden ethnisch-kulturelle und genderspezifische Exklusionsmechanismen kritisch unter die Lupe genommen. Die Herausgeber verzichten auf eine klare Strukturierung der Artikel nach Themenkomplexen, in drei weiteren Beiträgen geht es um die Varianten des Kapitalismus in Lateinamerika und seine staatlichen Regulierungen, die zu unterschiedlichen Wohlfahrts- und Produktionsregimen führen. Einmal mehr wird Brasilien als gesondertes Beispiel ein eigener Beitrag gewidmet, wobei die meisten Aufsätze ansonsten eher länderübergreifend konzipiert sind. Somit ist das Buch um diese zwei inhaltlichen Schwerpunkte herum konstruiert. Etwas abgekoppelt davon bewegen sich zwei eher methodisch-empirische Beiträge zum Ende des Bandes.
Andreas Hetzer (AHE)
Diplom-Medienwirt, Lehrkraft für besondere Aufgaben, Fach Politikwissenschaft, Universität Siegen.
Rubrizierung: 2.65 | 2.2 | 2.22 | 2.23 | 2.263 | 2.27 Empfohlene Zitierweise: Andreas Hetzer, Rezension zu: Ingrid Wehr / Hans-Jürgen Burchardt (Hrsg.): Soziale Ungleichheiten in Lateinamerika. Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33866-soziale-ungleichheiten-in-lateinamerika_40578, veröffentlicht am 21.07.2011. Buch-Nr.: 40578 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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