Portal für Politikwissenschaft

Lebanon: A Model of Consociational Conflict

Tobias Schwerna

Lebanon: A Model of Consociational Conflict

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2010 (Europäische Hochschulschriften: Reihe XXXI, Politikwissenschaft 593); 168 S.; 29,80 €; ISBN 978-3-631-60247-8
Diplomarbeit Erlangen-Nürnberg; Gutachter: M. R. Thompson. – Schwerna fragt, warum der Libanon nach der Ermordung von Rafik Hariri im März 2005 nicht in den Bürgerkrieg zurückgefallen ist. In seiner Analyse widerlegt er die gängige Annahme, dass das Krisenmanagement der libanesischen Politik eine Eskalation der Gewalt verhindert hat. Zu diesem Ergebnis kommt er durch einen Vergleich des Zeitraums vor dem im April 1975 ausgebrochenen Bürgerkrieg mit den Jahren nach dem Tod des ehemaligen Premiers. Anhand verschiedener Variablen (Rolle der Medien, Politik der Straße, Koalitionsverhalten der Politiker, Einsatz von Gewalt) beweist der Autor, dass diese nicht ursächlich mit der Einhegung des Konfliktes im Zusammenhang stehen. Schwerna entwickelt ein Model of Consocational Conflict. Er bezieht sich dabei auf den von Lijphart entwickelten Terminus des „Consociationalism“ (26), der eine Regierung durch ein von Eliten gebildetes Kartell mit dem Ziel der Umwandlung einer fragmentierten politischen Kultur in eine stabile Demokratie beschreibt. Indem er diese Konkordanzdemokratie in einen Zusammenhang mit dem Begriff des Konfliktes stellt, verweist der Autor auf einen Widerspruch: So bedienten sich politische Parteien in einem Consocational Conflict zwar illegaler Methoden, unternehmen aber trotzdem Anstrengungen zur Verhinderung eines Bürgerkrieges und respektierten die öffentliche Meinung und demokratische Institutionen. Schwerna erläutert, dass die Möglichkeiten, mit seinem Modell die politische Entwicklung zu erklären, abhängig von der Schwäche des untersuchten Staates seien – dieser werde in der Politikwissenschaft als ein Bürgerkriege begünstigender Faktor gesehen. In einem relativ wohlhabenden Land wie dem Libanon allerdings begünstige ein schwacher Staat, so lautet ein Fazit nach der Anwendung des Modells, nicht zwangsläufig den Ausbruch eines Bürgerkrieges.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.63 | 2.21 | 2.22 | 2.25 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Tobias Schwerna: Lebanon: A Model of Consociational Conflict Frankfurt a. M. u. a.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33727-lebanon-a-model-of-consociational-conflict_40396, veröffentlicht am 09.06.2011. Buch-Nr.: 40396 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...