Portal für Politikwissenschaft

After the Internet, before Democracy

Johan Lagerkvist

After the Internet, before Democracy. Competing Norms in Chinese Media and Society

Bern u. a.: Peter Lang 2010; 325 S.; 54,50 €; ISBN 978-3-0343-0435-1
Kann das Internet das politische System der Volksrepublik China liberalisieren? Große Erwartungen werden mit dieser Fragestellung verknüpft und häufig enttäuscht. Der Autor nähert sich der Fragestellung mit einer gleichermaßen empirisch gesättigten wie theoretisch fundierten Herangehensweise. Sein Ausgangspunkt ist eine Theorie gesellschaftlicher Normen, mit der er das Internet als technologische Institution betrachtet, die in gesellschaftliche Kontexte, Normen und Praktiken eingebettet ist. Damit versucht Lagerkvist, zwischen einem technologischen Determinismus einerseits und technologischer Neutralität andererseits zu navigieren. Das Internet ermöglicht bestimmt politische und partizipative Praktiken wie Citizen-Journalismus und hat etwa erfolgreiche Korruptionsbekämpfung ermöglicht. Andererseits ist aber auch das Potenzial groß, mithilfe der neuen Technologien die Bevölkerung noch effizienter überwachen und kontrollieren zu können, wie sich etwa an den andauernden Bemühungen der Staatsführung zeige, eine namentliche Registrierung aller Blogger einzuführen. Aus dieser Perspektive ist es kaum erstaunlich, dass Liberalisierung und verstärkte Kontrolle gleichzeitige Entwicklungen darstellen. Lagerkvist führt diese Beobachtung darauf zurück, dass zwei unterschiedliche Normkonzepte miteinander in Konkurrenz stünden – die „Party-state norm“ und die „youth/subaltern norm“ (42). Mittelfristig prophezeit er auf der Basis vieler Interviews, die er mit Akteuren der Internet-Regulierung und des Parteiapparats ebenso wie mit Internet-Aktivisten geführt hat, dass sich die subalterne Norm mehr und mehr durchsetzen werde. Dies liege hauptsächlich an der zunehmenden Doppelrolle von Parteifunktionären als Kontrolleure während der Dienstzeit und als Internet-Nutzern in der Freizeit. Auf diesem Wege würden subalterne Normen mehr und mehr Eingang in die Parteistaatsnorm finden.
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.68 | 2.22 | 2.23 Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Johan Lagerkvist: After the Internet, before Democracy. Bern u. a.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33726-after-the-internet-before-democracy_40393, veröffentlicht am 04.08.2011. Buch-Nr.: 40393 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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