Portal für Politikwissenschaft

Lösungsansätze für Berg-Karabach/Arzach

Vahram Soghomonyan (Hrsg.)

Lösungsansätze für Berg-Karabach/Arzach. Selbstbestimmung und der Weg zur Anerkennung

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010; 238 S.; 49,- €; ISBN 978-3-8329-5588-5
Bei dem Streit um Berg-Karabach – einem hauptsächlich von Armeniern bewohnten Gebiet, das völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört – handelt es sich um den ältesten ungelösten Konflikt auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion. Die Republik Berg-Karabach ist seit zwei Jahrzehnten de facto unabhängig, international aber nicht anerkannt. Die Autoren evaluieren Lösungsansätze dieses Problems aus völkerrechtlichen und politischen Blickwinkeln. Berücksichtigt werden außerdem auch Themen wie die Probleme der Rüstungskontrolle im Südkaukasus. Otto Luchterhandt erörtert das Selbstbestimmungsrecht Berg-Karabachs. Er sieht die Ursachen des Konfliktes in der Pathologie des spannungsreichen Verhältnisses zwischen dem islamischen Osmanischen Reich und den christlichen Armeniern begründet, das im Völkermord an den Armeniern in den Jahren 1915/16 eskalierte. Seiner Auffassung nach werden davon auch die aserbaidschanisch-armenischen Beziehungen bis in die Gegenwart überschattet. Allerdings hält Luchterhand eine friedliche Lösung für möglich, da Aserbeidschan Berg-Karabach nur durch den Einsatz von Luftstreitkräften zurückgewinnen könnte. Ein solcher Angriff würde aber die Republik Armenien und höchstwahrscheinlich auch Russland auf den Plan rufen. Der Autor empfiehlt der Republik Berg-Karabach daher eine Räumung der von Aserbaidschanern bewohnten Gebiete und eine Zustimmung zu einem Gebietsaustausch auf Kosten von Teilen seines Territoriums. Seit es im Frühjahr 2010 zu Schusswechseln und Toten auf der Konfliktlinie kam, sieht Franz Eder dagegen keine friedliche Lösungsmöglichkeit mehr. Er gibt zu Bedenken, dass Armenien zu diesem Zeitpunkt Reservisten einberufen und sich nach eigenen Angaben auf eine mögliche aserbaidschanische Offensive vorbereitet hatte. Als Begründung für seine pessimistische Sichtweise führt er an, dass es sich bei den Auseinandersetzungen um Berg-Karabach um einen typischen Wertekonflikt handele, bei dem es weniger um Ressourcen als um Deutungshoheit gehe. Diese Konflikte gelten aus der Sicht der Regimeforschung als die am schwersten beizulegenden.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.41 | 4.1 | 2.63 | 2.62 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Vahram Soghomonyan (Hrsg.): Lösungsansätze für Berg-Karabach/Arzach. Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33337-loesungsansaetze-fuer-berg-karabacharzach_39873, veröffentlicht am 02.02.2011. Buch-Nr.: 39873 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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