Portal für Politikwissenschaft

Öffentliche Erinnerung und Medialisierung des Nationalsozialismus

Gerhard Paul / Bernhard Schoßig (Hrsg.)

Öffentliche Erinnerung und Medialisierung des Nationalsozialismus. Eine Bilanz der letzten dreißig Jahre

Göttingen: Wallstein Verlag 2010 (Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte 10); 206 S.; 20,- €; ISBN 978-3-8353-0753-7
Die Erinnerung und Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus zählt auch in der Gegenwart zu den bedeutendsten Aufgaben unserer Gesellschaft. Dabei ist in den letzten Jahrzehnten die Position der Medien zusehends in den Mittelpunkt gerückt. Der hieraus resultierende Wandel des Umgangs mit der nationalsozialistischen Herrschaft in den letzten 30 Jahren war das Thema des 2009 veranstalteten zehnten Dachauer Symposiums zur Zeitgeschichte, dessen Beiträge in diesem Band zusammengefasst sind. Am Anfang des betrachteten Zeitraumes, im Januar 1979, stand die Erstausstrahlung der vierteiligen Fernsehserie „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“. Gerhard Paul gibt in seinem Beitrag einen allgemeinen Überblick über den seitdem veränderten medialen Umgang mit dem Holocaust. Darauf aufbauend beleuchtet Frank Bösch mehrere Beispiele von Holocaust-Darstellungen seit 1979 in Film und Fernsehen – sowohl dokumentarischer als auch fiktionaler Art. Alfons Kenkmann lenkt den Blick auf den Printsektor und hebt hier die tragende Rolle des Magazins „Der Spiegel“ hervor. Dieses hat mit zahlreichen Themen zum Nationalsozialismus auf der Titelseite aufgemacht und darin eine „Universalisierung des Themas Holocaust“ (74), welche sich auch in den zunehmenden Titeln auf dem Buchmarkt widerspiegelt, aufgegriffen, aus der sich der Holocaust als nationale Signatur Deutschlands herauskristallisiert. Die Vermittlung der historischen Abläufe an die jüngere Generation steht im Mittelpunkt der folgenden Beiträge, wobei sich Wolfram Dornik mit dem Medium Internet und Susanne Popp mit der Darstellung in Schulbüchern auseinandersetzt. In weiteren Texten wird detaillierter auf die Rolle von Gedächtnisstätten, Museen und das Konzentrationslager Dachau als Orte der Erinnerung und des Lernens eingegangen. Harald Schmid attestiert im abschließenden Beitrag Deutschland einen gelungenen Umgang mit dem Erbe des Dritten Reichs, indem die Demokratie nicht mehr defensiv als Lehre der Geschichte betrachtet wird, sondern sich nun eine eigene stabile demokratische Identität entwickeln konnte. Hierdurch habe sich Deutschlands Rückkehr in die „Gemeinschaft zivilisierter und demokratischer Staaten“ (195) vollzogen.
Arne Arps (AA)
M. A., Doktorand der Politikwissenschaft, Universität Vechta.
Rubrizierung: 2.35 | 2.333 Empfohlene Zitierweise: Arne Arps, Rezension zu: Gerhard Paul / Bernhard Schoßig (Hrsg.): Öffentliche Erinnerung und Medialisierung des Nationalsozialismus. Göttingen: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33202-oeffentliche-erinnerung-und-medialisierung-des-nationalsozialismus_39695, veröffentlicht am 04.01.2011. Buch-Nr.: 39695 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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