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Recht und Globalisierung/Droit et Globalisation

Marcel Senn / Bénédict Winiger / Barbara Fritschi / Philippe Avramov (Hrsg.)

Recht und Globalisierung/Droit et Globalisation

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010 (Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie Beiheft 121); 196 S.; 44,- €; ISBN 978-3-8329-5673-8
Das Völkerrecht verändert sich durch die vielfältigen Prozesse der globalen Entgrenzung von einem staatsorientierten hin zu einem wertorientierten Recht. So lautete die grundlegende Annahme auf dem Kongress der Schweizerischen Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie, der im Mai 2009 stattfand. Dabei entwickelt sich nicht nur die Idee einer Weltordnung, sondern es stellt sich insbesondere auch die Frage nach ihrer normativen Grundlage, die zum Beispiel durch die Menschenrechte verfestigt werden kann. Nach einem ideengeschichtlichen Rückblick durch Bénédict Wininger gruppieren sich die Vorträge und Diskussionsbeiträge auf drei Pfeiler. Zunächst geht es um die Wechselwirkungen zwischen der internationalen und den nationalen Rechtsordnungen unter dem Einfluss der Globalisierungsprozesse. So erörtert Daniel Thürer Konvergenzen und Divergenzen verschiedener Menschenrechtssysteme, wie die europäische Menschenrechtspraxis oder das auf UN-Ebene installierte Menschenrechtsregime. Er votiert für ein glaubwürdiges internationales Menschenrechtsregime, welches die Akten internationaler Ordnung wirkungsvoll bestimmen und prüfen kann. Der zweite Themenschwerpunkt ist Teil-Aspekten oder regionalen Aspekten des Völkerrechts gewidmet, wie dem Zusammenhang zwischen internationalem Handelsrecht und der Frage nach der Garantie von Menschenrechten in seinen Statuten. Im dritten Panel nähern sich die Autoren der Thematik aus einer demokratietheoretischen Perspektive. Hanspeter Kriesi nimmt das demokratische Legitimationsdefizit europäischer und internationaler Regime in den Blick. Der Rückzug der nationalstaatlichen Demokratie lasse um so stärker erkennen, dass es bisher kaum Kanäle und Institutionen gebe, welche die individuelle Stimme des Bürgers auf europäischer oder internationaler Ebene hörbar machen. Dem Band fehlt eine alle Beiträge verknüpfende und moderierende Note. Er erschöpft sich in der Sammlung der Vorträge. Der spezifische Forschungszugang zur brisanten Debatte um die Zukunft des Völkerrechts und die Idee einer globalen Weltordnung werden damit nicht ausreichend näher erläutert.
Ellen Thümmler (ET)
Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 1.3 | 4.42 | 4.1 | 5.44 | 5.41 Empfohlene Zitierweise: Ellen Thümmler, Rezension zu: Marcel Senn / Bénédict Winiger / Barbara Fritschi / Philippe Avramov (Hrsg.): Recht und Globalisierung/Droit et Globalisation Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33065-recht-und-globalisierungdroit-et-globalisation_39506, veröffentlicht am 15.12.2010. Buch-Nr.: 39506 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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