Portal für Politikwissenschaft

The Value of Nothing

Raj Patel

The Value of Nothing. Was kostet die Welt? Aus dem Englischen von Richard Barth

München: Riemann Verlag 2010; 285 S.; 17,95 €; ISBN 978-3-570-50124-5
Auslöser der aktuellen Wirtschaftskrise sei nicht mangelndes ökonomisches Wissen gewesen, schreibt Patel, sondern „ein Zuviel an Kapitalismus“ (9). Als Kronzeugen dieser Feststellung wird Alan Greenspan genannt. Der langjährige Chef der US-Notenbank, der 19 Jahre für die Regeln der Weltwirtschaft mitverantwortlich war, habe im Oktober 2008 sein gesamtes Weltbild infrage gestellt. Patel kritisiert nun, dass wir trotz der Krise immer noch gefangen seien „in einer Kultur und Politik, die darauf beharren, dass freie Märkte es uns ermöglichen, den Wert von Dingen korrekt einzuschätzen, und dass uns das uneingeschränkte Walten von Angebot und Nachfrage einer perfekten Welt näher bringt“ (34). Das Gegenteil treffe zu, schreibt er. Zur Illustration dieser These benennt er zahlreiche negative Beispiele wie den unverantwortlich hohen CO2-Ausstoß des Fastfood-Konzerns McDonald’s oder den Umstand, dass der Agrarkonzern Monsanto jahrelang giftige Abfälle in Flüssen entsorgt habe. Das rücksichtslose Verhalten der Konzerne könne zwar unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten rational begründet werden, sei aber moralisch nicht vertretbar, da die Folgekosten wie Umweltzerstörung, Bodendegeneration und ernährungsbedingte Krankheiten der gesamten Gesellschaft zur Last fielen. Dies gelte insbesondere im globalen Maßstab im Verhältnis zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Im zweiten Teil beschreibt Patel global vernetzte soziale Bewegungen und Organisationen, die die Macht der Märkte und ihrer einflussreichen Verfechter in die Schranken verweisen und dabei neu definieren, wie eine funktionierende Demokratie aussehen könnte. Patel selbst tritt für ein nachhaltiges Wirtschaften, eine entschiedene Bekämpfung des Klimawandels und eine stärkere Bürgerbeteiligung ein. Über allem steht für ihn in Anklang an die Allmende des Mittelalters die Idee des gemeinschaftlichen Wirtschaftens und der damit verbundenen gemeinsamen sozialen und ökonomischen Verantwortung.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.2 | 4.43 | 2.23 | 5.44 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Raj Patel: The Value of Nothing. München: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32997-the-value-of-nothing_39415, veröffentlicht am 22.12.2010. Buch-Nr.: 39415 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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