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Friedensgutachten 2010

Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) / Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) / Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) / Bonn International Center for Conversion (BICC) / Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) (Hrsg.)

Friedensgutachten 2010. Hrsg. von Christiane Fröhlich, Margret Johannsen, Bruno Schoch, Andreas Heinemann-Grüder, Jochen Hipple

Berlin: Lit 2010; 414 S.; 12,90 €; ISBN 978-3-643-10602-5
Der Schwerpunkt des von den fünf großen Friedensforschungsinstituten herausgegebenen Bandes ist in diesem Jahr der Konflikt in Afghanistan. Im ersten Abschnitt werden die ISAF, die neue Strategie Obamas, die Taliban, die Rolle Pakistans im Konflikt und die Zusammenhänge der Drogenökonomie thematisiert. Als Ergebnis schreiben die Herausgeber: „Der einzige mittelfristig denkbare Erfolgsansatz besteht in der Transformation der afghanischen Staatlichkeit in ein funktionierendes politisches Gemeinwesen“, in dem auch Aufständische eine politische Rolle spielen könnten, das Gewaltpotenzial aber abnehme. Die Rolle internationaler Truppen zur Stabilisierung werde hingegen überbewertet: „Friedenspolitisch sind sie letztlich von zweitrangiger Bedeutung“ (12). Im zweiten Kapitel befassen sich die Autoren mit der Transformation von Gewaltkonflikten staatlicher und substaatlicher Akteure zu friedlicher politischer Konkurrenz. Die Gewaltdynamik in Konflikten verselbstständige sich oft, heißt es, sodass politische Ziele in Vergessenheit gerieten. Als Strategien in solchen Konflikten bieten sich deshalb Aussöhnungsprogramme und Verhandlungen an, gleichzeitig sollten aber Gewalttäter nicht belohnt, sondern isoliert werden. Zwar gelte es, von Fall zu Fall die Gewichtung der Aspekte zu prüfen, in jedem Fall aber müsse eine Analyse und darauf folgend eine Veränderung der Gewaltursachen den politischen Prozess begleiten. Im dritten Kapitel beschäftigen sich die Autoren mit der durch US-Präsident Obama neu mit Perspektive gefüllten Vision einer atomwaffenfreien Welt. Ein Ansatz für eine sinnvolle Nuklearpolitik sei, den Iran in die Afghanistanpolitik stärker einzubeziehen und so neue Anknüpfungspunkte für Kooperation auch im Nuklearbereich zu schaffen. Außerdem müssten internationale Rüstungskontrolle und strategische Neujustierungen militärischer Doktrinen vorgenommen werden, um die sicherheitspolitische Bedeutung von Nuklearwaffen zurückzudrängen. Im abschließenden Kapitel zu den sicherheitspolitischen Folgen der Weltwirtschaftkrise werden deren Auswirkungen auf Rüstungsdynamiken, aber auch auf die Entwicklungsperspektiven sowie die oft ungeklärten Finanzierungsmöglichkeiten für staatliche Herrschaft, die sich in sogenannten fragilen Staaten am gravierendsten auswirken, erörtert. Insgesamt plädieren die Autoren des Friedensgutachtens für den Ausbau staatlicher Regulationsmöglichkeiten sowie für internationale Verträge und wirtschaftliche Unterstützung als strategische Instrumente einer modernen Friedenspolitik.
Florian Peter Kühn (KÜ)
Dr., M. P. S., wiss. Mitarbeiter, Institut für Internationale Politik, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 4.41 | 2.324 | 2.25 | 2.63 | 2.65 | 2.67 | 2.68 | 4.21 | 4.22 | 4.43 | 2.64 Empfohlene Zitierweise: Florian Peter Kühn, Rezension zu: Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) / Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) / Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) / Bonn International Center for Conversion (BICC) / Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) (Hrsg.): Friedensgutachten 2010. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32759-friedensgutachten-2010_39126, veröffentlicht am 15.12.2010. Buch-Nr.: 39126 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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