Portal für Politikwissenschaft

Soziale Netzwerke japanischer Wirtschaftsverbände

Andreas Schaumayer

Soziale Netzwerke japanischer Wirtschaftsverbände. Shukko und Amakudari in sektoralen Verbandsnetzwerken im Chemie und Informations- und Kommunikationssektor

Online-Publikation 2010 (http://kops.ub.uni-konstanz.de/bitstream/handle/urn:nbn:de:bsz:352-opus-103913/Diss_Schaumayer.pdf); 252 S.
Politikwiss. Diss. Konstanz; Gutachter: V. Schneider, W. Seibel, V. Blechinger-Talcott. – Politik in Japan finde weniger in der Öffentlichkeit statt und die veröffentlichte Meinung sei das Ergebnis eines langwierigen Entscheidungsprozesses unter privilegierter Teilhabe privatwirtschaftlicher Interessen, schreibt Schaumayer. Das Zusammenspiel von Verbänden mit den politischen Institutionen des japanischen Staates ist das Untersuchungsfeld dieser Arbeit. In theoretischer Hinsicht greift Schaumayer auf den neuen Institutionalismus in der Staatstheorie, den Governance-Ansatz und die Instituionenökonomik zurück. Im Zentrum der Betrachtung stehen personelle Verflechtungen und „die Brückenfunktion von personalisierten Netzwerken“, die so zur „Kohärenz von politischem und gesellschaftlichem Handeln“ beitragen (7). Zentrale Begriffe in diesem Zusammenhang sind Shukko und Amakudari. Ersterer beschreibt den Personalaustausch zwischen Unternehmen und Verbänden, letzterer den Wechsel ehemaliger hoher Akteure der Bürokratie in das Topmanagement von Unternehmen, Staatsbetrieben oder Verbänden. Der Autor betont insbesondere auch den kulturellen Faktor, denn durch eine nähere Betrachtung der Sozialisierung und eine Kenntnis des Normen- und Wertekatalogs ließen sich Netzwerkstrukturen und Policy-Outputs erklären. So seien Amakudari und Shukko institutionalisierte Prozesse, die wiederum Verhaltensmuster und Verbandsstrukturen prägen. Die personelle Verflechtung der Shukko-Mitarbeiter mit den Unternehmen erhöhe beispielsweise die Legitimation der Vertretungsmacht des Verbandes gegenüber dem Staat, die Amakudari-Mitarbeiter wiederum gewähren den Unternehmen einen direkten Zugang ins politische System. Das japanische „interpersonelle Interessenvermittlungssystem“ (207) überwinde derart das Problem der Mitgliedschafts- und Einflusslosigkeit. Bedauerlich ist jedoch, dass die problematischen Aspekte dieser personellen Verflechtungen kaum vorkommen.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.68 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Andreas Schaumayer: Soziale Netzwerke japanischer Wirtschaftsverbände. 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32749-soziale-netzwerke-japanischer-wirtschaftsverbaende_39115, veröffentlicht am 16.08.2010. Buch-Nr.: 39115 Rezension drucken

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