Portal für Politikwissenschaft

Souveräne Demokratie und soziale Homogenität

Marcus Llanque (Hrsg.)

Souveräne Demokratie und soziale Homogenität. Das politische Denken Hermann Hellers

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010 (Staatsverständnisse 33); 280 S.; 29,- €; ISBN 978-3-8329-5473-4
Aufgrund seines frühen Todes gingen die Schriften Hermann Hellers, der zu den führenden Staatsrechtslehrern der Weimarer Republik zählt, erst relativ spät in die staatstheoretische Debatte ein und werden bis heute nur nachgeordnet rezipiert. Damit wird Heller, wie die Beiträge des Bandes zeigen, Unrecht getan. Er habe nicht nur die Weimarer Zeit durch sein Schaffen maßgeblich beeinflusst, sondern ihm komme vor allem auch das Verdienst zu, die Staatslehre aus ihrem rechtswissenschaftlichen Kontext gelöst und um kulturwissenschaftliche wie auch soziologische Elemente bereichert zu haben – in diesem Sinne könne Heller durchaus als einer der Gründungsväter der modernen politikwissenschaftlichen Staatstheorie bezeichnet werden. Der Sammelband gliedert sich in drei Teile. Während im ersten Teil das Schaffen Hellers in die Weimarer Staatslehre eingeordnet wird, werden im zweiten Abschnitt Hellers Schriften in Bezug zum politischen und ideologischen Denken seiner Zeit gesetzt. In diesem Zusammenhang spielen vor allem die Abgrenzung zur Weber’schen Staatstheorie sowie der Einfluss des aufstrebenden Faschismus eine bedeutende Rolle. Die politische Theorie Hellers wird dann in Abschnitt drei ausführlich dargelegt und Hellers Einfluss auf die Entstehung der Politikwissenschaft sowie die gegenwärtige staatstheoretische Debatte diskutiert. Ähnlich wie sein Gegenspieler Carl Schmitt habe Heller Wert auf die Bedeutung des Rechtssystems für die gesellschaftliche Entwicklung gelegt. Dieses habe er jedoch – im Gegensatz zu vielen anderen sozialdemokratischen Denkern seiner Zeit – nicht lediglich als Ausdruck bürgerlicher Verhältnisse verstanden, sondern als Ergebnis bedeutender kultureller Entwicklungsprozesse einer Zivilisation und ihm damit zugleich die Fähigkeit zugeschrieben, die bürgerliche Gesellschaft überwinden zu können, ohne damit hinfällig zu werden. Überhaupt sei es Heller in erster Linie um die sozial integrierende Funktion des Staates gegangen – und es sei wohl vor allem dieses Erbe, welches die heutige Staatsdebatte angesichts der gegenwärtigen radikalen gesellschaftlichen Transformationsprozesse neu beleben könne.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.46 | 5.41 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Marcus Llanque (Hrsg.): Souveräne Demokratie und soziale Homogenität. Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32600-souveraene-demokratie-und-soziale-homogenitaet_38909, veröffentlicht am 13.10.2010. Buch-Nr.: 38909 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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