Portal für Politikwissenschaft

Heimkehr – Erinnerung – Integration

Birgit Schwelling

Heimkehr – Erinnerung – Integration. Der Verband der Heimkehrer, die ehemaligen Kriegsgefangenen und die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft

Paderborn u. a.: Ferdinand Schöningh 2010 (Sammlung Schöningh zur Geschichte und Gegenwart); 326 S.; 44,90 €; ISBN 978-3-506-76921-3
Habilitationsschrift Frankfurt/Oder; Gutachter: K. H. Jarausch, W. Schiffauer, P. Steinbach. – Die Studie behandelt einen wichtigen Interessensverband und innenpolitischen Akteur der frühen Bundesrepublik. In den 50er-Jahren gelang es dem Verband der Heimkehrer (VdH), sich wirkungsmächtig für die materiellen Interessen und politischen Belange der Kriegsheimkehrer einzusetzen – dies obwohl er nur einen Bruchteil früherer Wehrmachtangehöriger organisieren konnte. Es fällt auf, dass der VdH tatsächlich zur Stabilisierung der Demokratie beitrug, gleichzeitig aber latent mit der Möglichkeit drohte, die Kriegsheimkehrer könnten sich – ähnlich wie nach dem Ersten Weltkrieg – auch in großen Teilen gegen die Demokratie stellen. Im Laufe der Zeit schwand der Einfluss des VdH. Schon in den 60er-Jahren schmolz der Mitgliederbestand beträchtlich. Das hängt sicher auch mit der insgesamt erfolgreichen Reintegration der Kriegsheimkehrer in die Bundesrepublik zusammen. Nach einem kleinen Comeback durch die Aufnahme von Aktivitäten nach 1989 in den neuen Ländern folgte schließlich 2006 die Selbstauflösung des VdH, der – anders als Vertriebenverbände – nur die Betroffenen selbst organisierte und keine „Nachwuchsarbeit“ initiierte. Schwelling zeigt in gelungener Weise, wie der VdH die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Krieg und Kriegsgefangenschaft über einen gewissen Zeitraum erfolgreich beeinflussen konnte. Dabei bildete der VdH eigene kollektive (Opfer-)Mythen und eigene Erinnerungsbilder aus. Der VdH wandte sich zwar gegen künftige Kriege als Mittel der Politik, schürte also keinen neuen Militarismus, blieb aber andererseits kompromisslos antikommunistisch.
Christoph Kopke (CKO)
Dr. phil., Dipl.-Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelsohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 2.313 | 2.331 | 2.35 Empfohlene Zitierweise: Christoph Kopke, Rezension zu: Birgit Schwelling: Heimkehr – Erinnerung – Integration. Paderborn u. a.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32553-heimkehr--erinnerung--integration_38855, veröffentlicht am 22.12.2010. Buch-Nr.: 38855 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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