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Japans "Strukturreform" – was jetzt geändert werden muss

Takamitsu Sawa

Japans "Strukturreform" – was jetzt geändert werden muss. Aus dem Japanischen von Verena Blechinger-Talcott und Hiroomi Fukuzawa, unter Mitarbeit von Sabine Langner, Sebastian Maslow und Lorenz Pagenkopf

München: iudicium 2010; 159 S.; 15,- €; ISBN 978-3-89129-874-9
Sawa kritisiert die sogenannten Strukturreformen des ehemaligen japanischen Premierministers Koizumi. Es habe sich im Wesentlichen nur um eine einseitig orientierte Finanzreform gehandelt, die am Ende wirkungslos verpufft sei. Koizumis Versuch, nach „dem Vorbild Thatchers eine rein marktorientierte Gesellschaft“ (158) zu schaffen, setzt Sawa den Entwurf einer paritätischen Wohlfahrtsgesellschaft entgegen. Darunter versteht er „eine Gesellschaft, die niemanden ausschließt, eine inklusive Gesellschaft“ (26). Wohlfahrt will er als „positive Wohlfahrt“ (27) verstanden wissen, also nicht im Sinne von reinen Transfers an sozial Schwache sondern als Investition zur Verbesserung des „Humankapitals“ (28). Sie soll eben kein Abhängigkeitsverhältnis schaffen, sondern den Menschen die Möglichkeit eröffnen, ihr Potenzial zu entfalten. Strukturreformen hält Sawa für unabwendbar. Sie werden durch den Zwang angetrieben, sich dem allgemeinen Wandel anzupassen. Im Falle Japans müssten sie in erster Linie dazu dienen, mehr Freiheit, Transparenz und Gerechtigkeit herzustellen. „Japans Marktwirtschaft ist zu eingeschränkt, zu intransparent und zu ungerecht.“ (44) Das ist allerdings kein Wunder, wenn Sawas etwas überraschende Einschätzung stimmt: „Tatsächlich ist es wohl so, dass Japan das Land ist, dem das Kleid der Marktwirtschaft am wenigsten passt.“ (41) Den Grund für die sogenannte Heisei-Rezession seit Anfang der 90er-Jahre sieht er dann auch darin, dass die Umstellung auf das postindustrielle Zeitalter die japanische Wirtschaft besonders viel Mühen kostet. Gerade weil dieser Übergang jetzt anstehe, hält Sawa den Zeitpunkt für Strukturreformen gekommen. Diese will er jedoch nicht auf die Wirtschaft allein beschränkt wissen. Er stellt die japanische Wirtschaftspolitik deshalb ausführlich in den Kontext allgemeiner weltumspannender Prozesse wie der Globalisierung oder der veränderten machtpolitischen Position der USA. Eine Bedienungsanleitung für den Umbau der japanischen Wirtschaft sucht man vergebens. Sawas kritischer Blick auf die japanische Wirtschaftspolitik, der im Original schon 2003 erschien, zeigt aber deutlich, wie globale Umbrüche Japan zu Veränderungen zwingen. Rein marktorientierte Reformen hält er jedoch für einen großen Fehler.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.68 | 2.262 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Takamitsu Sawa: Japans "Strukturreform" – was jetzt geändert werden muss. München: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32409-japans-strukturreform--was-jetzt-geaendert-werden-muss_38671, veröffentlicht am 19.10.2010. Buch-Nr.: 38671 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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