Portal für Politikwissenschaft

"Blausprech"

Benedikt Narodoslawsky

"Blausprech". Wie die FPÖ ihre Wähler fängt

Graz: Leykam 2010; 268 S.; brosch., 24,20 €; ISBN 978-3-7011-0173-3
Unter Blausprech versteht der Autor die „manipulative Sprache der FPÖ“ (7). In dem Band schildert er eingangs kurz die Parteigeschichte, um sich dann vor allem einer detaillierten Analyse der Wahlkämpfe, Kampagnen und Strategien der FPÖ zu widmen. Als Material verwendet er vorwiegend Medienanalysen, Interviews mit Politikwissenschaftlern und Presseerzeugnisse. Die Nationalratswahl des Jahres 2006 bezeichnet Narodoslawsky als Neuanfang und Auferstehung der Partei nach schweren Krisen. Die Partei unternahm hier, so zitiert der Autor den Parteistrategen und Generalsekretär Herbert Kickl, eine Neuausrichtung gegenüber den Kampagnen der 90er-Jahre. Einerseits machte die FPÖ die Leitkultur-Debatte zum Thema und verband sie mit einer Positionierung gegen den radikalen Islamismus, andererseits verknüpfte sie das Thema der Zuwanderung mit der Zukunft des Sozialstaats. Der Autor konstatiert, dass der Partei damit das Kunststück gelang, „in einer single-issue-Kampagne alle politischen Themen zu bespielen“ (131). Hinzu kamen die neuen Wahlkampfinstrumente für die Jugend: Comics, Disco-Besuche der Parteipolitiker, zahlreiche Internetangebote, die eher auf Unterhaltung denn Information abzielten, und schließlich der „HC-Rap“ (134). Hans-Christian Strache, seit Jörg Haiders Tod das Aushängeschild der Partei, erreichte mit diesen Mitteln ein erstaunliches Maß an Öffentlichkeit. Bei der Nationalratswahl des Jahres 2008 gelang es der Partei, so der Autor, dies weiter zu perfektionieren. Strache inszenierte sich als rechter Sozialrebell, als „StraCHE“ (182), mit Barett als konträrer Wiedergänger des zunehmend zum bloßen Zitat gewordenen Revolutionärs Che Guevara. Dabei sei es „nicht mehr um politische Inhalte, sondern um das Transportieren eines Lebensgefühls“ (184) gegangen. Die Strache-FPÖ seit 2005, so Narodoslawsky, sei keine Kopie der FPÖ unter Haider, Strache habe „die Allmacht des freiheitlichen Übervaters nicht geerbt“. Vielmehr sei Generalsekretär Kickl neben Strache von zentraler Bedeutung, er entwerfe die Strategie und verkaufe die „Halbwahrheiten und Lügen“ (240) der Partei geschickt über das Bauchgefühl.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.42.22 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Benedikt Narodoslawsky: "Blausprech" Graz: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32151-blausprech_38348, veröffentlicht am 22.12.2010. Buch-Nr.: 38348 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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