Portal für Politikwissenschaft

Richard von Weizsäcker

Hermann Rudolph

Richard von Weizsäcker. Eine Biographie

Berlin: Rowohlt 2010; 288 S.; 19,95 €; ISBN 978-3-87134-667-5
Eines fällt sogleich auf: Es fehlt der Dank an Gesprächspartner, z. B. an von Weizsäcker selbst. Stattdessen findet sich am Ende des Buches ein kurzes Verzeichnis der Literatur, auf die sich der Journalist und Herausgeber des Tagesspiegels Rudolph stützt – ohne dies allerdings im Text mit Fußnoten kenntlich zu machen. Zitiert wird ausgiebig, dies ist erkennbar, aus der Autobiografie „Erinnerungen“ (1997). Und so handelt es sich bei dieser Biografie um ein populärwissenschaftliches Buch ohne neue Erkenntnisse und auch ohne noch einmal neu resümierte Einsichten des ehemaligen Bundespräsidenten. Dieser aber wird von Rudolph auf ein sehr hohes Podest gestellt: „Das Deutschland, das wir geworden sind: es trägt auch die Züge Richard von Weizsäckers“ (7). Chronologisch wird dessen Lebensweg nacherzählt, wobei der Autor gelegentlich sogar die Distanz zum Porträtierten verliert – und so die Journalistin Franziska Augstein geradezu mit Häme bedenkt , weil sie in einem Interview von Weizsäcker damit konfrontierte, dass Adenauer alte Nazis in die Bundesrepublik eingebunden hat (was Adenauer selbst wohl kaum bestritten hätte). Die ausweichende und relativierende Antwort von Weizsäckers aber scheint Rudolph vollends zu genügen, als gäbe es nicht mehr zu diesem Thema zu sagen – an dieser und anderen Stellen fehlt der Darstellung die Tiefe, was aber bei einem Porträt, das sich nur auf andere Bücher stützt, kaum anders zu erwarten ist. Die verschiedenen Stationen des politischen Lebens – von der Wahl zum Präsidenten des Evangelischen Kirchentags 1964 bis zum Amt des Bundespräsidenten mit der berühmten Rede am 8. Mai 1985, in der er das Kriegsende als Tag der Befreiung definierte – werden als erfülltes politisches Leben geschildert, auch wenn von Weizsäcker im Prozess der Wiedervereinigung hinter Bundeskanzler Kohl zwar nicht gerade verschwand, aber doch nicht wie gewünscht gehört wurde: Er vermisste „die Öffnung des Westens gegenüber den Deutschen im Osten“ (231).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3 | 2.313 | 2.315 | 2.331 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Hermann Rudolph: Richard von Weizsäcker. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32039-richard-von-weizsaecker_38214, veröffentlicht am 13.04.2010. Buch-Nr.: 38214 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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