Portal für Politikwissenschaft

Weltwirtschaftskrise – eine Systemkrise?

Uwe Andersen (Hrsg.)

Weltwirtschaftskrise – eine Systemkrise? Eine Einführung

Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2010 (uni studien politik); 141 S.; 9,80 €; ISBN 978-3-89974587-0
Seitdem die US-amerikanische Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 zusammenbrach, steht die globale Finanzkrise im Zentrum der wirtschafts- und politikwissenschaftlichen Diskurse. In dem einführenden Sammelband werden in diesem Zusammenhang die unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Perspektiven und krisenspezifischen Handlungsmöglichkeiten beleuchtet – von der Marx’schen Kritik der Politischen Ökonomie bis hin zu „regulierenden Prinzipien des Ordoliberalismus“ (138). Ist die größte „Krise des Finanzsektors nach dem zweiten Weltkrieg“ (46) Ausdruck „falsch gesetzter wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen“ (52) oder Ergebnis kapitalistischer Akkumulationsprozesse, in deren Zusammenhang eine „Verselbständigung der Finanzsphäre gegenüber der Produktion“ (31) stattgefunden hat? Der Interpretationsrahmen aktueller Krisenbewältigung und künftiger Krisenvorbeugung ist weit gesteckt. Dennoch gelingt es Andersen durch die Auswahl der Beiträge die wesentlichen Elemente der aktuellen Debatte aufzugreifen. Es werden sowohl historische Entwicklungsverläufe der globalen Wirtschaftskrise skizziert als auch Rückschlüsse auf europäische und transnationale Regulierungsansätze gezogen. Diesbezüglich wird u. a. von Hubert Zimmermann die Gefahr einer Entsolidarisierung bzw. „Desintegration der EU“ betont, ausgelöst durch „nationale Alleingänge“ (86) und fehlende Absprachen auf den Finanzmärkten. Ob die längerfristigen Auswirkungen auf Politik und Ökonomie als systembedrohend zu werten sind, scheint dabei von jedem Autor unterschiedlich beantwortet zu werden. Die Heterogenität der Meinungen ist jedoch nicht als Schwäche des Sammelbandes zu werten; vielmehr ist sie Spiegelbild einer ideenreichen und fächerübergreifend geführten wissenschaftlichen Diskussion. In diesem Sinne ist das Buch ein kleines, aber vielfältiges Kompendium zur momentanen Weltwirtschaftskrise, in dem in übersichtlicher Form die grundlegenden Strömungen vorgestellt werden.
Björn Allmendinger (BA)
M. A., Politikwissenschaftler/Historiker, Studienleiter des "Gesamteuropäischen Seminars" im Bildungszentrum Hustedt (Celle), Lehrbeauftragter an der Universität Hannover.
Rubrizierung: 4.43 | 3.5 | 2.262 Empfohlene Zitierweise: Björn Allmendinger, Rezension zu: Uwe Andersen (Hrsg.): Weltwirtschaftskrise – eine Systemkrise? Schwalbach/Ts.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32027-weltwirtschaftskrise--eine-systemkrise_38201, veröffentlicht am 13.04.2010. Buch-Nr.: 38201 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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