Portal für Politikwissenschaft

Zürcher "Needle-Park"

Peter J. Grob

Zürcher "Needle-Park" Ein Stück Drogengeschichte und -politik 1968-2008

Zürich: Chronos Verlag 2009; 127 S.; geb., 21,- €; ISBN 978-3-0340-0968-3
Der Platzspitz in Zürich war von 1988 bis 1992 Schauplatz der größten offenen Drogenszene und weltweit unter dem Namen „Needle-Park“ bekannt. Zugleich war es die erste Drogenszene, „der man nicht nur mit Repression, sondern vor allem mit Krankheitsprävention zu begegnen suchte“. Grob, emeritierter Professor für Medizin, ehemaliger Leiter der klinischen Immunologie am Zürcher Universitätsspital und in vielen Gremien zur Bekämpfung von Hepatitis und Aids tätig gewesen, legt mit diesem Buch „eine kleine, bruchstückartige Chronik“ (9) vor. In Zusammenarbeit mit anderen Vertretern der Trägerinstitutionen des damals auf dem Platz tätigen Zürcher Interventions-Pilotprojekts für Drogenabhängige gegen Aids (Zipp-Aids) ist ihm damit eine eindringliche Darstellung der gesundheitlichen Probleme der Drogenabhängigen und der Entwicklung der offenen Drogenszene gelungen. Zipp-Aids entstand 1988 aus einer Zusammenarbeit des Roten Kreuzes des Kantons Zürich mit mehreren universitären und behördlichen Institutionen. Erklärtes Ziel war, die Zahl der Neuinfektionen mit den Hepatitisviren B und C sowie mit HIV zu reduzieren, ausgegeben werden sollten vor allem neue Spritzen. „Niemand hatte die Grösse der Aufgabe und das Ausmass der Benützung des Angebotes geahnt.“ (45) Täglich kamen 200 bis über 1.000 Abhängige auf den Platz, viele begannen, dort zu übernachten. Ein Drittel von ihnen konsumierte täglich Drogen, die Hälfte ging einer geregelten Arbeit nach – und über 60 Prozent hatten verschiedenen Hepatitis-Infektionen gleichzeitig. Auch wenn sich auf dem Platzspitz schließlich fast unhaltbare Zustände entwickelten, wird aus den Schilderungen Grobs deutlich, dass die Zulassung dieser offenen Drogenszene überhaupt erst das gesamte Ausmaß der Problematik sichtbar machte und die Politik zum Handeln zwang. Nach der politisch gewollten Schließung des Platzes etablierte sich mit der Einsicht, dass die Sucht eine „hartnäckige, chronische Krankheit“ (97) ist, eine dezentrale Drogenhilfe. Maßgeblich wurde eine Vier-Säulen-Strategie (Prävention – Therapie – Schadensminderung – Repression/Kontrolle), mit der es auch möglich wurde, Methadon und Heroin an Schwerstdrogenabhängige abzugeben. Damit haben sich die Überlebenschancen der Süchtigen erhöht, schreibt Grob, außerdem ging die Kriminalität zurück. „Heute besitzt die Schweiz im internationalen Vergleich eine der fortschrittlichsten Drogengesetzgebungen und eines der dichtesten Netze der Drogenhilfe“ (116).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.5 | 2.263 | 2.21 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Peter J. Grob: Zürcher "Needle-Park" Zürich: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31865-zuercher-needle-park_37999, veröffentlicht am 09.06.2011. Buch-Nr.: 37999 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...