Portal für Politikwissenschaft

Ist eine andere Welt möglich? Utopische Zwischenrufe

Kurt P. Tudyka (Hrsg.)

Ist eine andere Welt möglich? Utopische Zwischenrufe. Multidisziplinäre Analysen und Reflexionen des utopischen Diskurses

Hamburg: Verlag Dr. Kovač 2009 (Schriften zur politischen Theorie 9); 123 S.; 55,- €; ISBN 978-3-8300-4384-3
„Another world is possible!“ – so heißt es seit vielen Jahren von globalisierungskritischer Seite. Wer jedoch in Tudykas übersichtlichem Sammelband eine Analyse globaler Zusammenhänge erwartet, sei eines Besseren belehrt. Vielmehr wird versucht aus unterschiedlichen Perspektiven, vorwiegend im Rahmen politik-, kultur- und literaturwissenschaftlicher Auseinandersetzungen, eine Standortbestimmung der Utopieforschung zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu formulieren. Hervorgegangen ist diese Publikation aus einer Veranstaltungsreihe des Bonner Theaters unter Leitung Tudykas, mit dem Ziel, einen weitreichenden Überblick über „Wege nach und Ankunft in Utopia und Verbleib im städtischen, femininen, grünen, globalen und schwarzen Utopie-Quartier“ (8) zu geben. Besonders hervorzuheben sind hier die Beiträge von Eva Kreisky und Martin d’Idler. Während Kreisky eine durchweg gelungene Darstellung feministischer Utopieentwürfe präsentiert, konzentriert sich d’Idler auf ökologische Utopien der Gegenwart (Boyle) wie Vergangenheit (Callenbach). Betrachtet man die zunehmenden Diskurse um die Auswirkungen globaler Erwärmung, so könnten, nach Einschätzung d’Idlers, schon heute ökodystopische Szenarien „dazu beitragen, wirtschaftlich und politisch notwendige Veränderungen [...] im Vorfeld“ (89) zu thematisieren. In diesem Zusammenhang scheint Tudykas Sammelband gewissermaßen ein „Weckruf“ der Utopieforschung zu sein, der nicht nur versucht, mit der These vom sogenannten „Ende der Utopie“ zu brechen, sondern auch Bilder eines vielfältigen, kreativen und lebhaften Utopiediskurses zeichnet. Solange Menschen materielle und seelische Nöte erleiden, verdichten sich Träume eines besseren Lebens stets zu Wunsch- (positive Utopien) und Warnbildern (Dystopien). Insofern ist Utopia, als „Inbegriff dessen, was noch nicht ist, aber in der Phantasie ersehnt und vorgestellt wird“ (25), nicht nur als „Gegenbild zur bestehenden Wirklichkeit“ (94) zu werten, sondern im Wesentlichen Ausdruck menschlicher Bedürfnisse, Ängste und Hoffungen.
Björn Allmendinger (BA)
M. A., Politikwissenschaftler/Historiker, Studienleiter des "Gesamteuropäischen Seminars" im Bildungszentrum Hustedt (Celle), Lehrbeauftragter an der Universität Hannover.
Rubrizierung: 5.42 Empfohlene Zitierweise: Björn Allmendinger, Rezension zu: Kurt P. Tudyka (Hrsg.): Ist eine andere Welt möglich? Utopische Zwischenrufe. Hamburg: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31852-ist-eine-andere-welt-moeglich-utopische-zwischenrufe_37984, veröffentlicht am 13.04.2010. Buch-Nr.: 37984 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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