Portal für Politikwissenschaft

Politiknetzwerke und politische Steuerung

Alexander-Kenneth Nagel

Politiknetzwerke und politische Steuerung. Institutioneller Wandel am Beispiel des Bologna-Prozesses

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2009 (Staatlichkeit im Wandel); 326 S.; kart., 34,90 €; ISBN 978-3-593-39039-0
Dieses Buch ist eine deutlich überarbeitete und gekürzte Fassung der Dissertation des Autors aus dem Jahr 2008 (Diss. Bremen, Gutachter: A. Weymann, L. Peter). Im Mittelpunkt stehen die Begriffe Netzwerksteuerung und Politiknetzwerke. Der Netzwerkbegriff soll die Komplexität moderner gesellschaftlicher Prozesse analytisch handhabbar machen. Er umfasst dabei staatliche, quasistaatliche und gesellschaftliche Akteure regionaler, nationaler, trans- sowie supranationaler Herkunft, die in vielseitigen Austausch- und Aushandlungsbeziehungen zueinander stehen. Die empirische Erforschung eines Politiknetzwerkes führt Nagel anhand des Bologna-Prozesses durch, der exemplarisch für die Internationalisierung der Bildungspolitik steht. Der Bologna-Prozess eignet sich hervorragend, da er zum einen zeitlich und thematisch begrenzt ist und darüber hinaus internationale sowie gesellschaftliche Akteure umfasst. Zum anderen lassen sich konkrete Veränderungen infolge des Bologna-Prozesses ausmachen. Ausgangspunkt der Studie sind theoretische Hypothesen, die bereits in anderen Forschungsfeldern ausgemacht werden konnten. So geht der Autor beispielsweise davon aus, dass Politiknetzwerke einem Strukturwandel unterliegen und dass dieser Strukturwandel den komparativen Steuerungsvorteil gegenüber anderen Steuerungsformen aufzehrt. Die Arbeit ist in erster Linie ein „institutionenanalytisches und wissenssoziologisches Projekt“ (15), das zwei Analyseebenen umfasst. Auf der Gegenstandsebene wird der Strukturwandel im Politiknetzwerk des Bologna-Prozesses untersucht. Auf der theoretischen Ebene steht die Konzeptionalisierung und Operationalisierung von Politiknetzwerken als Steuerungsinstitutionen im Fokus. In diesem Rahmen finden zudem Überlegungen zu Macht und Ressourcen in Politiknetzwerken statt. Die gelungene Gliederung, das ausgeglichene Verhältnis zwischen Theorie und Empirie sowie die klare Strukturierung der Kapitel unterstreichen den wissenschaftlichen Anspruch der Arbeit. Gleichzeitig setzt das hohe Niveau der Studie ein hohes Maß an Vorkenntnissen voraus. Das Buch ist vor allem für Politikwissenschaftler empfehlenswert.
Marko Jakob (MJ)
Dr., MBA.
Rubrizierung: 2.22 | 2.263 | 3.5 Empfohlene Zitierweise: Marko Jakob, Rezension zu: Alexander-Kenneth Nagel: Politiknetzwerke und politische Steuerung. Frankfurt a. M./New York: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31751-politiknetzwerke-und-politische-steuerung_37836, veröffentlicht am 10.03.2010. Buch-Nr.: 37836 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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