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Weltmacht gegen Weltorganisation?

Patrick Rosenow

Weltmacht gegen Weltorganisation? Die UN-Politik der USA unter George W. Bush

Marburg: Tectum Verlag 2009 (Politikwissenschaften 24); 152 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-2061-6
Magisterarbeit Kiel; Gutachter: J. Varwick. – Rosenow bezeichnet das Verhältnis zwischen den Vereinten Nationen und ihrer Gründungsnation, den USA, das er anhand der drei Bereiche Sicherheit, Herrschaft und Wohlfahrt untersucht, als „hochgradig ambivalent“ (117). Als Grundlage der Studie dient dem Autor das strukturfunktionale Modell von Czempiel. Er bietet einen historischen Überblick über die Beziehungen zwischen USA und UN, der ihm Aufschluss über Wandel und Kontinuität der amerikanischen UN-Politik gibt. Den Wandel sieht er im Wechsel zwischen verstärkter Kooperation und grundsätzlicher Ablehnung beziehungsweise Zurückhaltung. Die Kontinuität sei eng verbunden mit amerikanischen Prinzipien, dem Gedanken der Verbreitung bestimmter Werte, wie etwa Freiheit, „bei gleichzeitigem Anspruch amerikanischer Dominanz im internationalen System und damit auch im Rahmen der UN“ (117). Im Hauptteil analysiert Rosenow die Charakteristika amerikanischer UN-Politik unter George W. Bush am Beispiel der Terroranschläge vom 11. September 2001, des Antiterror-Kampfes, des Irak-Krieges, der Debatte über die Reform der UN, der Klimaschutzpolitik sowie der Frage, welche Rolle die UN nach amerikanischen Vorstellungen dabei einnehmen sollten. In Zeiten des Krieges gegen den transnationalen Terrorismus habe Bush multilaterale, auf Konsens basierende Mechanismen grundsätzlich und die Effektivität der Vereinten Nationen im Besonderen infrage gestellt. Weltmacht und Weltorganisation hätten sich in dieser Zeit unversöhnlich gegenüber gestanden, die UN habe z. T. als Instrument der US-Außenpolitik gedient. Das grundsätzliche Verhältnis der USA zu den UN sei vom amerikanischen Anspruch geprägt, realpolitische Interessen und idealistische Werte unter amerikanischer Führung durchzusetzen. Allerdings sei der Handlungsspielraum der UN maßgeblich von der politischen und finanziellen Bereitschaft der USA bestimmt, sie zu unterstützen. Auch zukünftig, so Rosenows Prognose, werde das Verhältnis ambivalent bleiben.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.1 | 4.3 | 4.22 | 2.64 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Patrick Rosenow: Weltmacht gegen Weltorganisation? Marburg: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31540-weltmacht-gegen-weltorganisation_37554, veröffentlicht am 28.01.2010. Buch-Nr.: 37554 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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