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Die Internationale Politische Ökonomie der Weltfinanzkrise

Oliver Kessler (Hrsg.)

Die Internationale Politische Ökonomie der Weltfinanzkrise

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011 (Globale Politische Ökonomie); 251 S.; 29,95 €; ISBN 978-3-531-16535-6
Die einzigartige Situation nach der größten Finanzkrise seit Ende des Zweiten Weltkrieges stellt die Internationale Politische Ökonomie vor große theoretische und praktische Herausforderungen. Die Ursachen der Finanzkrisen sind dabei multikausal und interdependent. Hier setzt der Sammelband an, indem die Autoren verschiedene Ursachen beleuchten. So wird beispielsweise rückblickend die „Finanzialisierung“ (38) der Gesellschaft beschrieben. Durch die Veränderung des Verhältnisses zwischen Arbeit und Kapital in den vergangenen drei Dekaden zugunsten des Kapitals entstand ein Missverhältnis beider Produktionsfaktoren, welches ein tiefliegender Ursprung der Krise war. Weiterhin werden auch die Derivate als Ursache der Krise identifiziert. Die Verbriefung von Risiken und der Handel mit eben diesen haben ebenfalls einen gehörigen Anteil am Ausmaß der Krise. Nachdem Erklärungsansätze für die Ursachen der Finanzkrise gegeben wurden, wird im Weiteren die globale Ausbreitung der Krise beschrieben. Die Finanzprodukte, in denen die Risiken des US-amerikanischen Immobilienmarktes verbrieft waren, wurden weltweit verkauft. Infolgedessen ist es nicht verwunderlich, dass die Auswirkungen des Zusammenbruchs des Immobilienmarktes globaler Natur waren. Jene globale Ausbreitung wird in mehreren regionalen Schwerpunktbeiträgen geschildert. Dabei zeigt sich, dass vor allem Europa die alten Strukturen nicht überwinden kann und damit bestehende Probleme reproduziert. Im letzten Teil des Bandes werden mögliche Perspektiven aufgezeigt. Scheinbar gewinnt der Keynesianismus weiter an Bedeutung. Dies äußert sich unter anderem in der Verstaatlichung angeschlagener Banken. Dass dieser Staatsinterventionismus große, vor allem finanzielle Nachteile beinhaltet, ist Teil des Beitrages von Knothe. Er stellt die These auf, dass der Staat verantwortlich ist für eine kommende Finanzblasenbildung. Die Beiträge entstanden im Rahmen eines Workshops der Fritz Thyssen-Stiftung, der in Bielefeld stattfand. Der Sammelband bietet einen ausgewählten analytischen Zugriff auf Ursachen und Wirkungen der noch immer andauernden Finanzkrise. Komplexe Zusammenhänge werden verständlich erklärt und tragen zum allgemeinen Verständnis der globalen Finanzmärkte bei.
Marko Jakob (MJ)
Dr., MBA.
Rubrizierung: 4.43 | 4.5 | 2.2 | 2.64 | 2.68 | 2.67 | 2.62 | 2.61 | 3.5 Empfohlene Zitierweise: Marko Jakob, Rezension zu: Oliver Kessler (Hrsg.): Die Internationale Politische Ökonomie der Weltfinanzkrise Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31408-die-internationale-politische-oekonomie-der-weltfinanzkrise_37386, veröffentlicht am 23.06.2011. Buch-Nr.: 37386 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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