Portal für Politikwissenschaft

Warum ich mich nicht für Politik interessiere...

Beatrice von Weizsäcker

Warum ich mich nicht für Politik interessiere...

Bergisch Gladbach: Gustav Lübbe Verlag 2009; 207 S.; brosch., 14,99 €; ISBN 978-3-7857-2389-0
Gegenwärtig feiert das Grundgesetz sechzigjähriges Bestehen und doch sinkt die Wahlbeteiligung, schwinden den Parteien die Mitglieder und gilt das politische Interesse der Bevölkerung als zunehmend gering, was auch laut der Autorin nicht verwundern kann, sei das Volk doch völlig einflusslos. Bei von Weizsäckers Buchtitel handelt es sich jedoch um eine Finte; die Autorin interessiert sich durchaus für Politik, stammt sie doch aus einer zutiefst politischen Familie. Aber sie lehnt den Zuschnitt des politischen Systems und zahlreiche Ausprägungen der politischen Kultur in Deutschland ab. Sie kritisiert die Mutation des Landes zum Parteienstaat und damit zusammenhängend auch das Wahlrecht. Nur „der Teil der Volksvertreter kann mit Fug und Recht behaupten, Vertreter des Volkes zu sein“, der über die Erststimme ins Parlament eingezogen sei. Die restlichen Abgeordneten seien „Vertreter ihrer Parteien und keine Vertreter des Volkes“ (48). Gerade auf kleine Parteien wirke sich dies aus, da sie in der Regel ohne Direktmandate bleiben und ihre Politiker somit gänzlich der Partei unterworfen seien. Von Weizsäcker verweist darauf, dass wir ein „demokratiefähiges Volk“ seien und „längst keine Untertanen mehr“ (50). Daher sollte man den Bürgern mehr Einfluss auf die Listenplätze geben. Von den Kommissionen und der ausgegliederten Gesetzgebung über die Medien bis zum „ausgekungelten Bundespräsidenten“ (55) reicht die Kritik der Autorin. Doch dabei belässt sie es nicht. Aus eigenem politischem Engagement heraus weiß sie, Politik kann etwas bewirken, kann menschlich und bereichernd sein. Hierfür führt sie zahlreiche Beispiele einzelner Persönlichkeiten wie Nelson Mandela oder Willy Brandt sowie Gemeinschaftsprojekte engagierter Bürger wie das Hamburger Spendenparlament oder die Montagsdemonstrationen an. Ihr Fazit: Politik ist unweigerlich ein Bestandteil des Lebens. Daher spricht die Autorin vom „politischen Politikverweigerer“ (172), der zwar kein Parteimitglied ist, aber ein engagierter Bürger mit Interesse an politischen Debatten und Aktionen. Gerade von diesen gebe es, so von Weizsäcker, immer mehr.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.35 | 2.331 | 2.3 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Beatrice von Weizsäcker: Warum ich mich nicht für Politik interessiere... Bergisch Gladbach: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31363-warum-ich-mich-nicht-fuer-politik-interessiere_37324, veröffentlicht am 11.11.2009. Buch-Nr.: 37324 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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