Portal für Politikwissenschaft

Euro-Islam

Bassam Tibi

Euro-Islam. Die Lösung eines Zivilisationskonfliktes

Darmstadt: Primus Verlag 2009; 203 S.; geb., 24,90 €; ISBN 978-3-89678-651-7
Der Autor ist überzeugt, dass ein liberaler Islam möglich ist. Europäische Ideale und islamische Tradition könnten sich vertragen, wenn Europäer und demokratische Muslime kooperieren. Ein solcher Euro-Islam sei jedoch nicht nur möglich, so der Autor, sondern er sei nötig. Durch Migration sind Muslime die größte Zuwanderungsgruppe Europas geworden. Im Augenblick sind es 23 Millionen (1950 waren es 800.000). Nun ist der Islam nach Tibi nicht nur eine Religion, sondern auch eine Weltzivilisation mit eigenem Wertesystem. Dieses kann mit einem anderen in Konflikt geraten. Im klassischen Islamverständnis ist „Hidrja“ (Migration) an „Dawa“ (Missionierung zum Islam) gebunden. Damit einher geht die Forderung vieler Muslime nach der Geltung der Schari‘a. Beides, Dawa und Schari’a, lassen sich, so der Autor, nicht mit den Werten eines säkularen Europa vereinbaren – zudem die Schari’a eine postkoranische Konstruktion und „eine politische Ordnung“ (47) sei. Europa sei seit der Renaissance nicht mehr vorwiegend christlich geprägt, so Tibi, sondern „für das Europa der kulturellen Moderne ist der säkulare Hellenismus […] die zentrale Quelle der Inspiration“ (10), was Europa zu einer inklusiven Identität verhelfe. Der Autor wendet sich von dem von ihm geprägten Begriff der Leitkultur ab, da er insbesondere durch Politiker der CDU in Zuspitzung auf das Christentum hin missbraucht worden sei und spricht fortan von „Werteorientierung“ (52). Zu den Kernelementen eines Euro-Islam zählt für Tibi die Anerkennung der Universalität der individuellen Menschenrechte, die Trennung zwischen Religion und Staat, die säkulare Demokratie, die Toleranz und eine pluralistische Zivilgesellschaft mit kultureller Vielfalt. Dafür müssten sich die Muslime unweigerlich von der Schari’a distanzieren. Diese bedrohe nicht nur allgemein den Weltfrieden, sondern auch den innereuropäischen Frieden. Er sieht in dem Bestreben einer „Entwestlichung des Rechts“ auch eine „Revolte gegen den Westen“ (137). Hier, stellt Tibi entschieden fest, finde Religionsfreiheit ihre Grenze.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.61 | 2.23 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Bassam Tibi: Euro-Islam. Darmstadt: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31360-euro-islam_37320, veröffentlicht am 11.11.2009. Buch-Nr.: 37320 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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