Portal für Politikwissenschaft

Togo zwischen Diktatur und Demokratie

Hieronymus Geist

Togo zwischen Diktatur und Demokratie. Ein neuer Weg für den prekären Prozess der Demokratisierung in Afrika

Berlin: Lit 2009 (Kulturelle Identität und politische Selbstbestimmung in der Weltgesellschaft 13); V, 178 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-643-10135-8
Diss. Münster. – Am Beispiel Togos erörtert der Autor die Perspektiven einer Demokratie für Afrika. Er stellt zunächst die Geschichte des kleinen westafrikanischen Landes von der Missionierung und Kolonialisierung über den Kampf für Unabhängigkeit und die jahrzehntelange totalitäre Herrschaft Eyadémas bis zu den Auseinandersetzungen um die Einführung eines Mehrparteiensystems, der Präsidentschaftswahl von 1998 und dem Tod Eyadémas im Jahr 2005 dar. Deutlich wird, wie Eyadéma seine Herrschaft durch massiven Medieneinsatz, Korruption, Personenkult und politische Animation sowie eine „Politik der Authentizität“ (51) über 40 Jahre durchsetzen konnte. Um zu verstehen, warum der Demokratisierungsprozess in Afrika immer wieder auf Hindernisse stößt, widmet sich der Autor den kulturellen und sozialen Elementen der afrikanischen Tradition. Dabei geht es um die Bedeutung von Individuum, Gemeinschaft und Besitz, um Vergangenheit und Ahnenkult sowie um Fragen von Hierarchie und Macht. Zwar habe die traditionelle Welt in Afrika über so etwas wie Demokratie verfügt, schreibt Geist, dennoch begünstigten bestimmte Werte eine Alleinherrschaft. Es lasse sich aber eine Konzeption von Macht und Autorität ausmachen, die „mit der modernen Kultur kompatibel ist“. Anhand der Theorie der Gerechtigkeit von John Rawls leuchtet der Autor schließlich die Chancen einer Demokratie in Afrika aus. Geist sieht in dem Rawl’schen Konzept der „Gerechtigkeit als Fairness“ Ansatzpunkte für eine Neuausrichtung afrikanischer Politik. „Die rawlsche Theorie würde es ermöglichen einen Mittelweg zwischen den allgemeinen Menschenrechten auf der einen Seite und den tribalen Mentalitäten auf der anderen Seite zu finden. Sie gründet auf einem System rationaler Organisation und gegenseitigen Respekts, in das sich zugleich spezifisch afrikanische Traditionen integrieren ließen“ (129).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.67 | 2.2 | 2.22 | 2.23 | 2.25 | 5.42 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Hieronymus Geist: Togo zwischen Diktatur und Demokratie. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31294-togo-zwischen-diktatur-und-demokratie_37237, veröffentlicht am 25.01.2010. Buch-Nr.: 37237 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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