Portal für Politikwissenschaft

¿"El pueblo unido"?

Jürgen Mittag / Georg Ismar (Hrsg.)

¿"El pueblo unido"? Soziale Bewegungen und politischer Protest in der Geschichte Lateinamerikas

Münster: Westfälisches Dampfboot 2009; 576 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-89691-762-1
Die Geschichte Lateinamerikas erweise sich bisweilen als ein einziger, andauernder Kampf gegen ungerechte Gesellschaftsverhältnisse, Wirtschaftsmodelle oder Regierungssysteme, der sich zumeist an lokalen und regionalen Gegebenheiten orientiere und spezifische Strukturen und Aktionsformen hervorgebracht habe. Diese Mobilisierungs- und Protestformen, die zur Herausbildung sozialer Bewegungen geführt haben, stehen im Mittelpunkt des interdisziplinären Bandes. Es ist das Ziel, die sozialen Bewegungen in ihren vielschichtigen und komplexen Zügen vor dem Hintergrund der jeweiligen ökonomischen und politischen Prozesse im 20. Jahrhundert überblicksartig darzustellen. In elf Länderbeiträgen werden historische und aktuelle Entwicklungen in einzelnen Staaten aufgezeigt. Länderübergreifende Betrachtungen sind Gegenstand der weiteren elf Themenbeiträge, in denen es u. a. um indigene Bewegungen, um Gewerkschafts- und Menschenrechtsbewegungen, um stadt- und landbezogene Protestgruppen oder um Bauern- und Frauenbewegungen geht. Die Beiträge sind weitgehend analog aufgebaut. Um Kontinuitäten bzw. Brüche im Zeitverlauf sowie vorläufige Trends deutlich zu machen, wird die historische Entwicklung im jeweiligen Land beziehungsweise Themenfeld der gegenwärtigen Phase des gesellschaftlichen Umbruchs in Lateinamerika gegenübergestellt. In seinem bilanzierenden Schlussbeitrag weist Dieter Boris trotz lediglich bescheidener Erfolge im engeren Sinne auf das vielfältige Demokratiepotenzial in den sozialen Bewegungen hin: „Es lässt sich die These vertreten, dass die Vielfalt und Beharrlichkeit der sozialen Bewegungen am meisten zur Verbesserung der politischen Kultur in Lateinamerika beigetragen haben.“ (564) Zurzeit erfahren die sozialen Bewegungen vor allem unter den neuen Mitte-Links-Regierungen eine „relative Schwächung“, die sich aber, so Boris, angesichts von teilweise „bürgerkriegsähnlichen Konstellationen“ und Offensiven von konservativen Gruppen „bald wieder umkehren“ (569) könnte.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.65 | 2.22 | 2.25 | 2.27 | 4.5 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Jürgen Mittag / Georg Ismar (Hrsg.): ¿"El pueblo unido"? Münster: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31143-el-pueblo-unido_37037, veröffentlicht am 01.12.2009. Buch-Nr.: 37037 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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