Portal für Politikwissenschaft

Die Österreicher/-innen

Christian Friesl / Ursula Hamachers-Zuba / Regina Polak (Hrsg.)

Die Österreicher/-innen. Wertewandel 1990-2008

Wien: Czernin Verlag 2009; 348 S.; brosch., 23,- €; ISBN 978-3-7076-0295-1
Als „empirisches Lesebuch“ (9) verstehen die insgesamt 12 Autoren ihre Publikation. Es enthält die Ergebnisse der europäischen Wertestudie, die zum dritten Mal in Österreich durchgeführt wurde. Wie sich die Einstellungen der Österreicher in 18 Jahren zu den Themenkomplexen Arbeit, Beruf, Beziehungen, Familie, Religion und Politik gewandelt haben, haben Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen im Rahmen eines Projekts des Instituts für praktische Theologie ermittelt und die Ergebnisse interpretiert. Seit im Jahr 1990 die europäische Wertestudie in Österreich erstmals durchgeführt wurde, haben sich die „Werte-Welten der Österreicher/-innen“ (295) erheblich gewandelt, berichten die Herausgeberinnen. Dabei sei ein gewisses Unbehagen zutage gekommen, im siebreichsten Land der Welt lasse sich eine Art „Unzufriedenheit auf hohem Niveau“ (9) beobachten. Trotz hoher materieller Ausstattung, relativem Wohlstand und einem Sozialsystem sähe die österreichische Bevölkerung vieles skeptisch. Das gelte besonders für die Politik: Das politische Interesse sei gering ausgeprägt und das Vertrauen in die politischen Institutionen und die Parteien gesunken. Dies sei einerseits eine Reaktion auf die politische Kultur des Landes, andererseits auch „Ausdruck einer obrigkeitlichen Haltung in Österreich“ (300), wo sich eine aktiv mitgestaltende Zivilgesellschaft bisher nicht ausreichend etabliert habe. Die Unzufriedenheit mit der Demokratie wachse, sie sei heute mit 46 % im Vergleich zu 1999 doppelt so hoch. Dieser Wert sei alarmierend, zumal ein Fünftel der Bevölkerung sich vorstellen könne, „einen starke/-n Führer/-in (zu) haben, der sich nicht um ein Parlament und um Wahlen kümmern muss“ (301). Hier sei die politische Bildung gefordert. Beunruhigend sei auch die hohe Zustimmung zu xenophoben Behauptungen. „Neid-geprägter Individualismus und Fremdenfeindlichkeit“ (302) prägten das politische Klima. Die Tendenz des Rückzugs der Österreicher („‚Wir’“ und ‚die Anderen’“, 301) erstrecke sich auch auf die EU, nur 26 % bekundeten sehr oder ziemlich viel Vertrauen in die Union.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.4 | 2.23 | 2.27 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Christian Friesl / Ursula Hamachers-Zuba / Regina Polak (Hrsg.): Die Österreicher/-innen. Wien: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31127-die-oesterreicher-innen_37018, veröffentlicht am 15.12.2009. Buch-Nr.: 37018 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...