Portal für Politikwissenschaft

Grassroots-Campaigning

Rudolf Speth (Hrsg.)

Grassroots-Campaigning

Wiesbaden: Springer VS 2013; 282 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-531-16262-1
In einer diversifizierten und individualisierten Gesellschaft verlieren politische, wirtschaftliche und soziale Großorganisationen an Bedeutung. Um dennoch Parteimitglieder, Wähler und Unterstützer beispielsweise für Wahlen zu mobilisieren, müssen daher neue Kommunikationswege eingeschlagen werden. Eine Möglichkeit ist das sogenannte Grassroots‑Campaigning. Es vereint die Eigenschaften einer Graswurzel‑Bewegung (von unten) mit der zentralisierten Kampagnenführung (von oben). In den 16 Beiträgen des Sammelbandes werden die diversen Einsatzmöglichkeiten des Grassroots‑Campaigning beschrieben. So findet diese Art der Kampagnenführung nicht nur im Wahlkampf statt, auch in der politischen Interessenvertretung, in Form des Grassroots‑Lobbying, werden die Mittel und Methoden angewendet. Im Mittelpunkt des Grassroots‑Campaigning stehen die Mitglieder einer Organisation, nicht mehr die Repräsentationsstrukturen. Zudem kann durch die Nutzung internetbasierter Kommunikationswerkzeuge – in Form von „Online‑Petitionen, E‑Mails an Unternehmen und andere Adressaten, Klicks in social‑media‑Foren, Aufrufe von Videos auf YouTube und viele andere Online‑Aktivitäten“ (10) – ein hohes Maß an Partizipation erlangt werden. Besonders hervorzuheben ist der Beitrag von Margit Baake. Sie analysiert den Wahlkampf Barack Obamas im Jahr 2008 und zeigt anhand dieses Beispiels, wie Grassroots‑Organisationen im Wahlkampf agieren. Das Revolutionäre an Obamas Wahlkampfstrategie war die Konzentration auf die „alltäglichen Menschen“ (132). Sie wurden direkt angesprochen, politisiert und brachten sich schließlich mit ihrer Arbeitskraft beziehungsweise finanziellen Ressourcen ein. Daneben wurden die sozialen Medien ausgiebig genutzt, um den positiven Charakter einer Bottom‑up‑Kommunikation zu nutzen. Margit Baake schlussfolgert daraus, dass sich diese Form des Wahlkampfes zunehmend auch in Deutschland ausbreiten wird. Einen anderen Aspekt analysiert Marco Althaus, indem er sich dem Grassroots‑Lobbying in der Wirtschaft widmet und fragt: Nutzen große Unternehmen diese Kommunikationsart, um politischen Einfluss zu nehmen? Der Autor zeigt anhand von Praxisbeispielen aus Deutschland, etwa den Unternehmen RWE, E‑Plus oder Karstadt, dass sich diese Entwicklung noch in den Anfängen befindet. Die Methoden konzentrieren sich auf Online‑Kommunikationsmaßnahmen, wie beispielsweise eine von E‑Plus veröffentlichte App, mit der die Social‑Media‑Aktivitäten sämtlicher Bundestagsabgeordneter verfolgt werden können. Derzeit führen die Unternehmen mithilfe dieser Methode vor allem „Abwehrkämpfe“ (82), um ihre bestehenden Geschäftsmodelle zu bewahren. Der Sammelband bietet einen breiten Wissenszuwachs vor allem für Wahlforscher*innen und Politikwissenschaftler*innen, die sich mit dem Themengebiet der politischen Einflussnahme beschäftigen.
Marko Jakob (MJ)
Dr., MBA.
Rubrizierung: 2.22 | 2.331 | 2.332 | 2.64 | 2.65 Empfohlene Zitierweise: Marko Jakob, Rezension zu: Rudolf Speth (Hrsg.): Grassroots-Campaigning Wiesbaden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31123-grassroots-campaigning_37011, veröffentlicht am 11.04.2013. Buch-Nr.: 37011 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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