Portal für Politikwissenschaft

Kapitalismus am Ende?

Robert P. Brenner / Daniela Dahn / Saskia Hengsbach / u. a.

Kapitalismus am Ende? Attac: Analysen und Alternativen

Hamburg: VSA 2009; 237 S.; 14,80 €; ISBN 978-3-89965-350-2
Der Band umfasst eine Auswahl von Beiträgen, die auf einem Attac-Kongress im März 2009 gehalten wurden. Die Teilnehmer setzten mit den Ursachen, Facetten und der Reichweite der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise auseinander und versuchten, Alternativen zum bestehenden kapitalistischen System aufzuzeigen. Im ersten Abschnitt der Vortragssammlung geben Autorinnen und Autoren verschiedener Professionen einen Überblick über den Grundtenor der gegenwärtigen kritischen Debatten zur Krise des Kapitalismus. Der ehemalige Staatsminister im Wirtschafts- und Finanzministerium, Heiner Flassbeck, führt aus, dass der Großteil der Spekulationen auf den Finanzmärkten mit Schulden finanziert und mit hohem Risiko getätigt wurde. Dabei hätten gerade auch aufseiten der Regierungen viele gehofft, von den Finanzgeschäften profitieren zu können, und diese daher mit einer liberalen Politik begünstigt. Die Soziologin Saskia Sassen betont, dass der Finanzkapitalismus an die Grenze seiner eigenen Logik stoße. Gerade Finanzanlagen, die wesentlich höher als der Wert des Bruttoinlandprodukts großer Volkswirtschaften sind, haben zur Krise der realen Weltwirtschaft beigetragen. Es mache daher keinen Sinn, so Sassen, immer mehr Geld in das Finanzsystem zu stecken, um die Finanzkrise zu lösen. Auf diese Weise würden in erster Linie die Bedürfnisse der Finanzwirtschaft befriedigt. Ziel müsse es vielmehr sein, die Wirtschaften zu „entfinanzialisieren“. (16) Es sei nach Sassen ein grundsätzliches Umdenken notwendig: Der Kampf gegen die weltweite Armut müsse im Mittelpunkt politischen und ökonomischen Handelns stehen. Die Journalistin Daniela Dahn plädiert vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Krise dafür, die Demokratie zu verteidigen und den Primat der Politik gegenüber der Wirtschaft zurückzugewinnen. Das Ergebnis könnte eine gemischte Ökonomie mit vielfältigen Eigentumsformen sein, die eine Balance zwischen Markt und Plan findet.
Oliver Trede (OT)
Dr. phil., Historiker/Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.2 | 2.22 | 4.43 | 5.45 | 2.331 | 2.333 Empfohlene Zitierweise: Oliver Trede, Rezension zu: Robert P. Brenner / Daniela Dahn / Saskia Hengsbach / u. a.: Kapitalismus am Ende? Hamburg: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31031-kapitalismus-am-ende_36884, veröffentlicht am 01.12.2009. Buch-Nr.: 36884 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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