Portal für Politikwissenschaft

Mission Gottesreich

Oda Lambrecht / Christian Baars

Mission Gottesreich. Fundamentalistische Christen in Deutschland

Berlin: Ch. Links Verlag 2009; 246 S.; brosch., 16,90 €; ISBN 978-3-86153-512-6
Die NDR-Journalisten Lambrecht und Baars haben zahlreiche christlich-fundamentalistische Gemeinden und Veranstaltungen besucht sowie mit Mitgliedern, Aussteigern, Predigern und Theologen gesprochen. Im Ergebnis dieser Recherche berichten sie nicht nur von autoritären Strukturen, sondern auch von Wissenschaftskritik, massiver Missionsarbeit und aggressivem politischen Lobbyismus in Deutschland. Den Fundamentalismusbegriff, den sie zugrunde legen, definieren die Autoren über das Bibelverständnis: Fundamentalisten verlangen danach u. a. die Anerkennung der Unfehlbarkeit der Bibel, der Jungfrauengeburt und der Wiederkunft von Jesus. Das Bibelverständnis der Evangelikalen steht damit im „krassen Widerspruch“ (10) zur modernen historisch-kritischen Bibelauslegung. Lambrecht und Baars schildern zwar die Abstufungen zwischen radikalen und gemäßigten Evangelikalen, doch betonen sie auch deren allgemeine Grundsätze: Dazu zählen die Ablehnung der Abtreibung, der Auffassung von Homosexualität als Sünde sowie eine aggressive Missionsarbeit. Besonders kritisch betrachten die Autoren die pfingstlich-charismatische Gemeinde, deren Mitgliederzahl sich hierzulande zwischen 1994 und 2004 von 1.000 auf 2.000 verdoppelt hat. In der Tat besorgniserregend sind zudem die Ausführungen der Autoren zur politischen Lobbyarbeit, insbesondere mit Blick auf Israel. Da viele Evangelikale glauben, dass es vor der Rückkehr von Jesus Christus zu einer Schlacht um Israel kommt, betreiben sie eine Politik, die gewiss nicht dem Frieden dient. So hat das Nachrichtenblatt „Israel heute“ eine Karte veröffentlicht, die die bibeladäquaten Grenzen Israels markiert: „Die Palästinensergebiete, eine Viertel von Syrien […] fast der ganze Libanon gehören danach zu Israel“ (151). Deshalb erachten christliche Fundamentalisten Bestrebungen, Teile dieses Landes aufzugeben, als „illegitimen Eingriff in den göttlichen Heilsplan“ (151). Zudem sei in das unversöhnliche Islam-Papier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) – nach einer Phase der Annäherung – der Absolutheitsanspruch der Evangelikalen eingegangen.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.37 | 2.35 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Oda Lambrecht / Christian Baars: Mission Gottesreich. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/30858-mission-gottesreich_36672, veröffentlicht am 26.08.2009. Buch-Nr.: 36672 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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