Portal für Politikwissenschaft

Europäische Sicherheitspolitik jenseits des Nationalstaats

Sebastian Mayer

Europäische Sicherheitspolitik jenseits des Nationalstaats. Die Internationalisierung von Präventions- und Interventionsmaßnahmen in NATO und EU

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2009 (Staatlichkeit im Wandel); 310 S.; kart., 32,90 €; ISBN 978-3-593-38890-8
Seit Anfang der 90er-Jahre lassen sich in den internationalen Beziehungen Akteurs-, Struktur- und Prozessveränderungen beobachten, die für die europäische Sicherheitsarchitektur umfassende Folgen nach sich ziehen. In Europa hat sich durch die Auflösung der Sowjetunion und Jugoslawiens die Zahl staatlicher Subjekte deutlich erhöht. Andererseits traten die zuvor durch die sowjetische Hegemonie in ihrem außen- und sicherheitspolitischen Handeln beschränkten ostmitteleuropäischen Staaten als aktive Akteure in Erscheinung. Aufgrund der vielschichtigen Herausforderungen, die mit deren Transformations- und Identitätsbildungsprozessen verbunden waren und teilweise noch sind, avancierten diese Länder oft auch zu sicherheitspolitischen Problemquellen. Überdies hat eine Diffusion von Bedrohungsperzeptionen stattgefunden, während einst alles durch die Brille des Systemgegensatzes gesehen wurde. Sicherheitspolitische Herausforderungen umfassen heute nicht länger nur Fragen von nationalem Überleben und territorialer Integrität. Angesichts weitgehend kriegsfreier Gesellschaften in der OECD-Welt rücken heute weiter entfernte transnationale Problemkonstellationen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Diese haben in Anbetracht der Entterritorialisierung – eine Ausweitung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Handlungszusammenhänge über den Nationalstaat hinaus – trotz ihrer Entfernung Rückwirkungen auf den „Westen“. Der Autor beleuchtet vor diesem Hintergrund die Funktionen von NATO und EU bei der Formulierung und Durchführung äußerer Sicherheitspolitik und widmet sich vor allem der Frage, ob sich hieraus Kompetenz- und Kontrollverluste für die Mitgliedstaaten ergeben haben. Deutlich wird, dass sich der harte militärische Kern von Sicherheitspolitik einer Internationalisierung weitgehend entzieht, sich generell aber zusätzliche Strukturen herausgebildet haben, die das nationalstaatliche Handeln zunehmend international einbinden.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 4.2 | 3.6 | 4.3 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Sebastian Mayer: Europäische Sicherheitspolitik jenseits des Nationalstaats. Frankfurt a. M./New York: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/30675-europaeische-sicherheitspolitik-jenseits-des-nationalstaats_36435, veröffentlicht am 18.11.2009. Buch-Nr.: 36435 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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